Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026 ist entschieden – und sie zeigt einmal mehr, wie schwierig die politische Lage aktuell ist.
Als Grüner aus Schleswig-Holstein freue ich mich natürlich erneut darüber, dass meine grünen Kolleg:innen im Land ein Ergebnis von 7,9 % erreicht haben. Herzlichen Glückwunsch dazu!
Natürlich hätten wir uns ein paar Prozentpunkte mehr gewünscht. Unser Ziel lag bei rund 8 % Plus. Angesichts der aktuellen politischen Großwetterlage ist dieses Ergebnis jedoch durchaus ordentlich.
Ein Wahlkampf mit klaren Schwerpunkten – nur nicht bei grünen Themen
Von Anfang an war klar, dass diese Wahl nicht von den Grünen gewonnen werden würde.
Im Vergleich zur letzten Wahl in Baden-Württemberg fehlte die Dynamik und die Ausgangslage war eine völlig andere. Der Wahlkampf war stark auf CDU und SPD ausgerichtet.
Themen, die uns Grünen besonders wichtig sind, wie Soziales, Vielfalt, Toleranz, Minderheitenschutz, Umwelt- und Klimaschutz, spielten dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Das ist bemerkenswert. Und ehrlich gesagt auch problematisch.
Denn gerade in Rheinland-Pfalz gäbe es genug Anknüpfungspunkte. Ich sage nur: Ahrtal. Die Folgen der Flutkatastrophe und die Frage, wie wir uns besser auf solche Ereignisse vorbereiten können, hätten erneut eine deutlich größere Rolle spielen müssen.
Solides Ergebnis unter schwierigen Bedingungen
Die 7,9 % sind ein Ergebnis, das man realistisch einordnen muss.
Einerseits zeigt es, dass es weiterhin einen stabilen Kern an Wähler:innen gibt, die grüne Politik unterstützen – selbst dann, wenn die Themen im Wahlkampf kaum eine Rolle spielen.
Gleichzeitig werden aber auch die Grenzen aufgezeigt. Wenn zentrale Zukunftsfragen politisch kaum diskutiert werden, wird es für uns natürlich schwer, Wähler:innen für diese Themen zu mobilisieren.
SPD verliert – trotz bekanntem Muster
Die SPD hat diese Wahl verloren.
Und das, obwohl sie – wie so oft – auf einen bekannten und durchaus kompetenten Spitzenkandidaten gesetzt hat. Doch das allein reicht offensichtlich nicht mehr aus.
Die SPD hat ein strukturelles Problem: Sie muss sich dringend die Frage stellen, wofür sie eigentlich noch steht.
Aus meiner Sicht braucht sie wieder ein klar erkennbares soziales Profil. Das habe ich bereits vor zwei Wochen nach der Wahl in Baden-Württemberg gesagt. Ohne dieses wird es schwer, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
CDU profitiert – aber ohne echte inhaltliche Stärke
Die CDU konnte diese Wahl für sich entscheiden – allerdings weniger aufgrund eigener Stärke, sondern vor allem, weil sie vom schwachen Abschneiden der SPD profitieren konnte.
Ein klarer inhaltlicher Aufbruch oder neue politische Impulse waren im Wahlkampf kaum erkennbar. Stattdessen setzte die CDU auf das klassische Muster aus Bekanntheit, Regierungsanspruch und dem Versprechen von Stabilität.
Das mag kurzfristig funktionieren, insbesondere in einem Wahlkampf, der sich auf die beiden großen Parteien fokussiert. Langfristig stellt sich jedoch auch für die CDU die Frage, wie tragfähig dieses Modell noch ist.
Denn auch sie bleibt eine Antwort darauf schuldig, wie zentrale Zukunftsfragen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder gesellschaftlicher Zusammenhalt konkret gestaltet werden sollen.
FDP weiter im Abwärtstrend
Auch die FDP steckt weiterhin in der Krise.
Dies ist jedoch kein spezifisch rheinland-pfälzisches Phänomen, sondern zeigt sich aktuell in vielen Bundesländern. Es wird für die Partei zunehmend schwieriger, ihre Rolle im Parteiensystem überzeugend zu definieren.
Schwierige Ausgangslage für die Linke
Dass die Linke es in Rheinland-Pfalz ebenfalls schwer haben würde, war zu erwarten.
Zwar hat sie mit 4,4 % wohl ihr bislang bestes Ergebnis im Land erzielt, der Einzug in den Landtag bleibt aber weiterhin unsicher beziehungsweise wurde knapp verpasst.
Dies zeigt einmal mehr, wie schwer es kleineren Parteien fällt, sich in westdeutschen Flächenländern dauerhaft zu etablieren.
Das Erstarken der AfD – eine gefährliche Entwicklung
Das Ergebnis der AfD ist mit 19,5 % erneut besonders besorgniserregend.
Das ist nicht einfach nur eine Zahl, sondern ein politisches Warnsignal.
Ich finde es nach wie vor schwer nachvollziehbar, wie man diese Partei bewusst wählen kann. Ihre Positionen, ihre Sprache und ihre politischen Ziele sind schließlich bekannt.
Gleichzeitig muss man sich aber auch ehrlich machen: Die AfD verfolgt offenbar eine erfolgreiche Strategie.
Sie setzt zunehmend auf dauerhafte Präsenz im ländlichen Raum, baut lokale Strukturen auf und schafft direkte Anlaufstellen für Bürger:innen. Damit gelingt es der Partei, Nähe herzustellen, Vorurteile abzubauen und sich ein teilweise positives Image zu geben.
Genau darin liegt die Herausforderung. Denn ihr Ziel ist es, bei der nächsten Bundestagswahl beispielsweise in Rheinland-Pfalz in über 50 % der Kreise die stärkste Kraft zu werden.
Was wir daraus lernen müssen
Wenn wir demokratische Parteien der AfD etwas entgegensetzen wollen, reicht es nicht, nur auf Distanz zu ihr zu setzen.
Wir müssen selbst stärker vor Ort präsent sein.
Das bedeutet konkret:
- Mitglieder gewinnen
- lokale Strukturen ausbauen
- ansprechbar sein
- das Leben vor Ort aktiv mitgestalten
Kurz gesagt: Wir müssen das Dorfleben wieder stärker beleben – demokratisch, offen und solidarisch.
Denn eines ist klar: Auch wenn die AfD sich moderner und zugänglicher gibt, bleibt sie eine Partei mit gefährlichen politischen Zielen.
Fazit
Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz zeigt:
- Grüne Politik hat weiterhin eine stabile Basis – auch unter schwierigen Bedingungen
- Klassische Zweikämpfe zwischen CDU und SPD prägen nach wie vor viele Wahlen
- Kleinere Parteien kämpfen um Sichtbarkeit und Relevanz
- Und die AfD baut ihre Stärke gezielt weiter aus
Für uns Grüne bedeutet das: dranbleiben, sichtbar bleiben und unsere Themen immer wieder auf die Agenda setzen – gerade dann, wenn andere sie verdrängen wollen.
Lorenzo
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