Was derzeit in den USA passiert, beschäftigt mich auch sehr. Und ich merke: Es ist nicht nur Fassungslosigkeit. Es ist auch Angst. Angst davor, wie schnell sich demokratische Gesellschaften an Unmenschlichkeit gewöhnen können, wenn diese nur konsequent genug als „notwendig“ verkauft wird.
Die ICE, die Einwanderungs- und Zollbehörde der USA, ist längst mehr als eine Verwaltungsbehörde. Unter Donald Trump wurde sie zu einem Symbol staatlicher Härte, ja, staatlicher Grausamkeit. Familien wurden auseinandergerissen, Menschen ohne Vorwarnung aus ihrem Alltag gerissen und Kinder in Lager gesteckt. All das wurde begleitet von einer Sprache, die Menschen zu Problemen, zu Zahlen, zu Bedrohungen erklärte.
Wenn Unrecht zur Routine wird
Besonders erschreckend finde ich: Wie schnell sich ein Teil der Gesellschaft daran gewöhnt hat! Razzien im Morgengrauen. Maskierte Beamte. Militärisch anmutende Einsätze gegen Zivilisten. All das wurde Schritt für Schritt, Nachricht für Nachricht normalisiert.
In einem Blogbeitrag fragte sich mein lieber Blogkollege Henning Uhle: „Wo bog die Menschheit falsch ab?“ Diese Frage stelle ich mir auch. Und das schon lange.
Vielleicht dort, wo Sicherheit wichtiger wurde als Menschlichkeit. Oder dort, wo „Recht und Ordnung” wichtiger erschien als Mitgefühl. Oder dort, wo man anfing zu sagen: „Es betrifft mich ja nicht.“
Hoffnung auf der Straße
Und dann sind da die Proteste. Menschen, die sich dem entgegenstellen. Sie gehen auf die Straße, weil sie nicht akzeptieren wollen, dass staatliche Gewalt zum politischen Stilmittel wird. Diese Proteste sind wichtig. Aber sie müssen weitergehen. Sie dürfen nicht versanden, nicht zur Randnotiz werden.
Denn wir haben das schon gesehen: Wenn Proteste leiser werden, gewinnt die Härte. Wenn die Empörung nachlässt, setzt sich das Unrecht fest.
Ich hoffe inständig, dass diese Proteste wachsen. Dass sie ausdauernd sind. Dass sie unbequem bleiben.
Der Blick nach Europa macht es nicht besser
Was mir zusätzlich Sorgen macht, ist der Blick nach Europa. Nach Deutschland. Auch hier gibt es politische Kräfte, die genau das bewundern, wofür Trump und ICE stehen. Die AfD hält solche Zustände nicht für abschreckend, sondern für vorbildlich. Sie träumt offen von einem Staat, der durchgreift, aussortiert und abschiebt – und dabei gerne die Grenzen des Rechts verschiebt.
Diese Parallelen sind kein Zufall. Autoritäre Ideen verbreiten sich schnell. Sie tarnen sich als „Lösungen“, als „Realismus“ oder als „Mut zur Wahrheit“. In Wahrheit sind sie ein Rückschritt. Ein gefährlicher.
Angst ist kein guter Ratgeber – aber ein ernstes Warnsignal
Ja, ich habe Angst. Nicht panisch, sondern real. Angst, dass wir uns auch hier an Dinge gewöhnen könnten, die wir früher niemals akzeptiert hätten. Dass wir irgendwann sagen: „So schlimm ist es doch gar nicht.“
Doch genau hier liegt unsere Verantwortung. Hinsehen. Widersprechen. Solidarisch bleiben. Wir müssen Menschlichkeit verteidigen, auch wenn es anstrengend ist.
Die Frage ist nämlich nicht nur, wo die Menschheit falsch abgebogen ist. Die Frage ist auch, ob wir bereit sind, den Kurs zu korrigieren.
Lorenzo
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Manchmal fühlt es sich an, als wäre all das nicht weit weg, sondern beunruhigend nah. Der Spruch: „Die Erde ist ein Dorf“ kommt gerade in unseren Zeiten nicht von ungefähr. Ja, das könnte auch bei uns geschehen. Vielleicht nicht exakt so, aber in ähnlichen, verstörenden Formen. Und ja – davor habe ich Angst. Die AfD und ihre Anhänger und Wähler könnten solche „Umbrüche“ verursachen.
Was mich dabei am meisten umtreibt, ist diese Frage: Wie konnte es in so kurzer Zeit geschehen, dass so viele Menschen (offenbar) ihre Menschlichkeit verloren haben – oder zumindest ihre Empathie vergraben, tief unter Schichten aus Wut, Angst und Trotz? Ging sie plötzlich weg? Oder war sie nie so fest verankert, wie wir es geglaubt haben?
Dass in den USA noch immer ca. 42 Prozent hinter Trumps Politik stehen, überfordert mich. Es widerspricht allem, was ich unter Verantwortung, Mitgefühl und demokratischem Anstand verstehe. Ich kann das weder begreifen noch akzeptieren. Es bleibt ein Knoten im Kopf – und einer im Bauch.
Und wenn ich dann hierzulande Menschen höre, die sagen, Trump werde bei uns nur unfair kritisiert, man müsse doch auch „das Gute“ sehen, dann stolpere ich innerlich. Immer wieder. Dann frage ich mich: Sind die jetzt wirklich so verblendet? Oder bin ich es, der den Maßstab verloren hat?
Vielleicht ist es genau diese Verunsicherung, die so zermürbt. Nicht nur die politischen Entwicklungen an sich, sondern das Gefühl, mit dem eigenen moralischen Kompass plötzlich in der Minderheit zu sein. Und doch glaube ich: Diese Zweifel sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein Zeichen dafür, dass da noch etwas arbeitet – Gewissen, Verantwortung, Widerstand gegen die Abstumpfung.
Immerhin kannst du sicher davon ausgehen, dass du mit deinen Sorgen nicht allein bist.
Lieber Horst,
vielen Dank für deinen Kommentar. Beim Lesen habe ich genau das Gefühl gespürt, das du beschreibst: dass das, was in den USA passiert, nicht irgendwo weit weg ist, sondern beunruhigend nah. „Die Erde ist ein Dorf“ – dieser Satz trifft es perfekt.
Ich teile deine Fragen zur Menschlichkeit und Empathie. Mir geht es wie dir: Wie kann es sein, dass so viele Menschen ihre Mitmenschlichkeit scheinbar ablegen oder vergraben? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es ein Zusammenspiel aus Angst, Wut und Gewöhnung, das schleichend wirkt – und genau deshalb ist es so gefährlich.
Deine Beschreibung des „Knotens im Kopf und im Bauch“ kenne ich nur zu gut. Es ist eine Mischung aus Ungläubigkeit, Wut und Sorge. Und ja, auch ich stolpere hierzulande manchmal über die gleiche Verblendung – über Menschen, die sagen, man müsse doch auch das „Gute“ sehen. Dann frage ich mich, wie wir unseren moralischen Kompass halten können, wenn sich die Welt so schnell dreht.
Aber ich glaube auch, dass deine Zweifel kein Zeichen von Schwäche sind, wie du richtig schreibst. Sie zeigen, dass wir unsere Empathie noch spüren, dass wir Verantwortung ernst nehmen und uns der Abstumpfung entgegenstellen. Und das gibt mir Hoffnung. Nicht, dass es einfach ist, sondern dass wir nicht allein sind.
Danke, dass du das so klar auf den Punkt gebracht hast. Es tut gut zu wissen, dass es andere gibt, die genauso fühlen und denken.
Herzliche Grüße
Lorenzo