Vor fast zwei Wochen habe ich mich entschieden, auf Matomo umzusteigen – selbst gehostet und ohne Cookies. In meinem letzten Beitrag habe ich die Gründe für diesen Schritt erläutert und meine Entscheidung für die Standalone-Version statt des WordPress-Plugins begründet. Nun ist es an der Zeit für ein erstes Fazit.
Ich bin zufrieden. Wirklich.
Kurz gesagt: Es fühlt sich richtig an. Matomo läuft stabil, das Dashboard ist übersichtlich und ich erhalte genau die zusätzlichen Informationen, die mir bei Statify gefehlt haben.
Besonders spannend finde ich:
- Woher kommen meine Besucher:innen?
- Welche Einstiegsseiten sind besonders beliebt?
- Wie bewegen sich Menschen auf meinem Blog?
Ich analysiere nicht jeden einzelnen Klick. Aber ich finde sie durchaus interessant.
Ein Vorteil der Standalone-Installation
Ein echter Pluspunkt: Ich habe inzwischen auch meine andere Domain mail76.de in Matomo hinzugefügt.
Das ist der Charme einer eigenständigen Installation:
- Mehrere Blogs beziehungsweise Websites
- Ein zentrales Dashboard
- Volle Kontrolle
Das wäre mit einzelnen Plugins deutlich umständlicher beziehungsweise gar nicht möglich.
Geolokalisierung: ungenau, aber ausreichend
Aufgrund der IP-Anonymisierung ist die Geolokalisierung natürlich nicht sehr präzise. Das ist gewollt, denn Datenschutz geht vor. Ich kann aber trotzdem grob erkennen, aus welchen Ländern Zugriffe kommen. Und das reicht mir völlig aus. Für mich geht es nicht um exakte Städte oder Straßen. Ein Überblick genügt mir.
Mehr Daten – genau die richtigen
Matomo zeigt mir mehr als nur Seitenaufrufe. Gerade diese zusätzlichen Informationen sind interessant:
- Einstiegs- und Ausstiegsseiten
- Besuchsdauer
- Gerätearten
- Referrer
Das ist kein Selbstzweck. Aber es hilft dabei, Zusammenhänge zu erkennen. Für mich ist Matomo ein schönes, ruhiges Webanalyse-Werkzeug. Ohne Werbeinteressen. Ohne Datensammelei für Dritte.
Ein kleines Rätsel: Australien, China – und alte Kategorien
Was mich allerdings wundert: Ein Großteil der Zugriffe – besonders aus Australien und China – betrifft alte Blogkategorien und Schlagwörter, die es seit fast drei Jahren nicht mehr gibt.
Im Mai 2023 habe ich auf Empfehlung meines Bekannten Malte Zwillus meine Kategorien auf sieben reduziert und die Schlagwörter komplett deaktiviert. Diese alten URLs existieren also gar nicht mehr. Wer sie aufruft, landet zwangsläufig auf einer Fehlerseite. Die Frage ist: Woher kommen diese alten Links noch? Ich vermute, dass es sich um Bots handelt.
Warum ich von Bots ausgehe
Ein paar Indizien sprechen dafür:
- Direkte Zugriffe auf sehr alte Strukturen
- Häufige 404-Fehler
- Länder, aus denen ich sonst kaum „echte“ Leser:innen habe
- Kein weiteres Klickverhalten
Solche Zugriffe sind typisch für:
- alte Suchmaschinen-Indizes
- Crawler
- Scraper
- oder automatisierte Tests
Mithilfe von Matomo erkenne ich solche Muster jetzt viel deutlicher als früher. Das ist interessant, aber nicht beunruhigend.
Warum alte URLs noch Jahre später auftauchen können
Selbst wenn bestimmte Kategorien oder Schlagwörter seit Jahren nicht mehr existieren, verschwinden ihre alten Adressen nicht automatisch aus dem Internet.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Suchmaschinen-Indizes speichern URLs teilweise sehr lange.
- Externe Verlinkungen in alten Blogrolls oder Foren können weiterhin existieren.
- Webarchive und Crawler durchforsten regelmäßig auch veraltete Strukturen.
- Manche Bots testen systematisch frühere URL-Muster, um Inhalte zu sammeln oder Sicherheitslücken zu prüfen.
Selbst wenn ich meine Kategorien und Schlagwörter im Jahr 2023 umgestellt beziehungsweise deaktiviert habe, könnten alte Links theoretisch noch:
- in Browser-Lesezeichen gespeichert sein
- in RSS-Feeds existieren
- in zwischengespeicherten Suchergebnissen auftauchen
- in automatisierten Datenbanken gelandet sein
Das bedeutet jedoch nicht, dass reale Leser:innen diese Seiten gezielt aufrufen. Oft handelt es sich schlicht um automatisierte Zugriffe. Mit Matomo erkenne ich solche Dinge jetzt deutlicher und kann sie besser einordnen. Und vielleicht ist genau das einer der größten Vorteile. Nicht jede Zahl ist wichtig. Es ist aber gut zu verstehen, was hinter ihr steckt, und es ist auch sehr interessant.
Gelassenheit statt Zahlenpanik
Was ich in den letzten zwei Wochen gelernt habe: Statistiken können spannend sein. Aber sie sind kein Selbstzweck. Ich blogge nicht für Australien. Und auch nicht für China. Ich blogge für Menschen, die meine Beiträge lesen möchten – und für mich selbst. Wenn Bots alte Kategorien und Schlagwörter aufrufen, dann ist das eben so. Meine Inhalte und meine Blogstruktur haben sich weiterentwickelt.
Fazit nach zwei Wochen
- Matomo läuft stabil
- Die zusätzlichen Daten sind wertvoll
- Mehrere Blogs beziehungsweise Websites in einem System sind praktisch
- Datenschutz und Kontrolle bleiben gewahrt
Selbst kleine Rätsel gehören offenbar dazu. Ich bereue den Wechsel nicht. Im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, mit Matomo immer vertrauter zu werden. Und das ist ein gutes Gefühl.
Lorenzo
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