Was Friedrich Merz in den letzten Tagen gezeigt hat, ist erschütternd. Erst tagelanges Schweigen und dann eine Aussage, die nicht nur falsch, sondern auch bewusst spaltend ist.
Er bringt Gewalt gegen Frauen in Zusammenhang mit Menschen mit Migrationshintergrund. Diese Verbindung ist nicht nur faktisch unhaltbar, sondern auch politisch brandgefährlich. Und das von einem Bundeskanzler.
Das eigentliche Problem: Gewalt gegen Frauen ist männliche Gewalt
Wenn wir ehrlich über Gewalt gegen Frauen sprechen wollen, müssen wir auch benennen, wo sie herkommt: von uns Männern.
Nicht von „den Fremden“. Nicht vom „veränderten Stadtbild“. Sie kommt aus unserer eigenen Gesellschaft.
Die Realität ist klar:
- Gewalt gegen Frauen passiert überwiegend im privaten Umfeld
- Täter sind in den meisten Fällen Partner, Ex-Partner oder Männer aus dem direkten sozialen Umfeld
- Es handelt sich um ein strukturelles Problem – geprägt von Macht, Kontrolle und patriarchalen Denkmustern
Wer stattdessen die Migration verantwortlich macht, lenkt bewusst vom eigentlichen Problem ab.
Politisches Versagen: Spaltung statt Verantwortung
Dass Merz diese Verbindung herstellt, ist kein Zufall. Es ist politisches Kalkül.
Anstatt über strukturelle Ursachen zu sprechen, wird ein einfaches Feindbild geschaffen. Migration wird zum Sündenbock gemacht und ein komplexes gesellschaftliches Problem auf eine vermeintlich klare Ursache reduziert.
Das ist bequem, aber auch gefährlich. Denn solche Aussagen:
- schüren Ängste
- verstärken Vorurteile
- verschieben den Diskurs nach rechts
Damit geben sie genau denjenigen Rückenwind, die seit Jahren mit diesen Narrativen arbeiten.
Die Doppelmoral: Schweigen, wenn es unbequem ist
Besonders bezeichnend ist auch, wann Merz spricht – und wann nicht.
Als Fälle von Gewalt gegen Frauen aus der Mitte der Gesellschaft bekannt wurden, blieb er still. Es gab keinen Aufschrei, keine klare Positionierung.
Doch sobald sich ein politisch verwertbares Narrativ bietet, wird laut und deutlich gesprochen.
Das ist keine Verantwortung. Das ist selektive Empörung.
Wem diese Aussage wirklich hilft
Man muss kein großer Analyst sein, um zu erkennen, wer von solchen Aussagen profitiert: die AfD.
Auch wenn sich Merz offiziell von ihr distanziert, übernimmt er mit solchen Aussagen ihre Denkmuster und ihren Sprachgebrauch.
Das Ergebnis:
- rechte Narrative werden normalisiert
- gesellschaftliche Spaltung wird vertieft
- und der politische Diskurs verschiebt sich weiter
Das ist das eigentliche Problem.
Was ein Bundeskanzler tun sollte
Ein Bundeskanzler sollte:
- differenzieren statt vereinfachen
- aufklären statt Angst schüren
- Verantwortung übernehmen statt Schuld umzulenken
Vor allem sollte er aber die Realität anerkennen. Gewalt gegen Frauen ist kein Importproblem. Sie ist ein Problem unserer Gesellschaft.
Solange wir das nicht ehrlich benennen, werden wir sie auch nicht wirksam bekämpfen können.
Fazit: Ein unwürdiger Umgang mit einem ernsten Thema
Gewalt gegen Frauen für politische Zwecke zu instrumentalisieren, ist schlimm genug.
Sie dann auch noch zu nutzen, um rassistische Narrative zu bedienen, macht die Aussage von Merz zu einem absoluten Unding.
Ein Bundeskanzler sollte verbinden, nicht spalten. Er sollte Verantwortung tragen und nicht ablenken.
Und vor allem sollte er den Mut haben, die Wahrheit auszusprechen.
Das Problem sind nicht „die anderen“. Das Problem sind wir.
Lorenzo
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Leider aus meiner Sicht kein kontroverses Thema. Denn Du triffst mit allen Punkten meinen Nerv. Die „Rede“ von dem Mann mit dem Titel Bundeskanzler ist leider vollkommen deplatziert bei diesem Thema. Gewalt gegen Frauen ist zu 99,99999999 Prozent männlich. Und in meinem privaten Umfeld habe ich mehr Menschen mit Migrationshintergrund erlebt, die sich respektvoll verhalten, als Männer, die in diesem Land geboren wurden. Dieses Thema war bereits vor einigen Jahren der Grund, warum ich einen Roman über Gewalt und Missbrauch von Frauen im Berufsleben geschrieben habe. Auslöser war Gewalt, die mir nahestehende Angehörige im engsten Familienkreis widerfahren ist. Dort war die Gewalt aus dem engsten Umfeld männlich und deutsch.
Was Herr Merz da macht, sollte jedem Mann die Schamesröte ins Gesicht treiben, und für mich gilt, wer „NotallMen“ ruft, ist Teil des Problems und nicht mehr Bestandteil der Lösung.
Liebe Grüße
Daira
Danke, Daria, ich kann dir nur in allem zustimmen. Deine Erfahrungen zeigen genau, worum es wirklich geht: Gewalt gegen Frauen ist überwiegend männliche Gewalt, und das unabhängig von Herkunft oder Migration.
Merz’ Versuch, das Thema auf Migration zu verschieben, ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch moralisch inakzeptabel. Wer solche Narrative verbreitet, trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei, anstatt die echten Probleme anzugehen.
Und du hast recht: Wer mit „NotAllMen” ablenkt, ist Teil des Problems, nicht der Lösung. Wir müssen genau hinschauen, differenzieren und den Fokus auf die Verantwortung der Männer in unserer Gesellschaft legen.
Lorenzo
Nicht-deutsche Staatsangehörige sind bei Gewaltdelikten (inklusive Sexualstraftaten und Partnerschaftsgewalt) im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung überrepräsentiert. Während sie etwa 15-16% der Bevölkerung ausmachen, liegt ihr Anteil an den Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten oft deutlich höher (teils über 30-40%). Bestimmte Männlichkeitsbilder oder Frauenbilder aus anderen Kulturkreisen stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Ich erinnere nur an die Silvesternacht in Köln 2015/2016 …
Genau das ist die Art von Argumentation, die ich kritisiere: Zahlen herausgreifen, den Kontext weglassen und daraus ein kulturelles Problem konstruieren.
Ja, es gibt diese Statistiken. Aber daraus abzuleiten, dass „andere Kulturkreise” ein Sicherheitsrisiko darstellen, ist nichts anderes als eine pauschale Zuschreibung – und genau so entstehen rassistische Narrative.
Was dabei konsequent ignoriert wird, ist: Gewalt gegen Frauen ist vor allem männliche Gewalt und passiert überwiegend im privaten Umfeld. Das ist kein Importproblem, sondern eines, das aus unserer Mitte kommt.
Der Verweis auf Köln 2015/2016 ist ebenfalls bezeichnend: Ein reales und schlimmes Ereignis wird immer wieder herangezogen, um ein allgemeines Bedrohungsszenario zu konstruieren. Das ist kein sachlicher Diskurs, sondern politisches Framing.
Wer ernsthaft Lösungen will, muss über Machtstrukturen, Sexismus und Gewalt im eigenen Umfeld sprechen und darf nicht „die anderen“ verantwortlich machen. Alles andere lenkt ab und verschärft das Problem.
Lorenzo