Das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und dem VfB Stuttgart endete deutlich mit 3:0 für die Bayern. Auf dem Papier liest sich das wie eine klare Angelegenheit. Wer das Spiel jedoch gesehen hat, weiß, dass die Partie lange Zeit überhaupt nicht so deutlich war.
Die Stuttgarter hielten über etwa 60 Minuten richtig stark dagegen. Sie waren mutig, aggressiv in den Zweikämpfen und haben sich sogar eigene Chancen herausgespielt. Genau das macht ein Pokalfinale doch eigentlich spannend. Der Außenseiter versteckt sich nicht, sondern fordert den Favoriten heraus. Und das hat der VfB wirklich klasse gemacht.
Deshalb fühlt sich das 3:0 für mich zu hoch an. Ein 1:0 hätte den Spielverlauf besser widergespiegelt. Natürlich haben die Bayern am Ende verdient gewonnen. Daran gibt es keine ernsthaften Zweifel. Aber das Ergebnis klingt viel klarer, als das Spiel tatsächlich war.
Ich hätte es den Stuttgartern durchaus gegönnt, den Bayern zumindest bis zum Schluss richtig wehzutun oder vielleicht sogar für eine Überraschung zu sorgen. Gerade weil sie so leidenschaftlich gespielt haben.
Pyro-Aktionen: Warum werden sie immer noch verharmlost?
Was mich allerdings erneut genervt hat, waren die Pyro-Aktionen im Stadion. Auch gestern Abend wurde wieder gezündelt und sich vermummt. Viele feiern das anschließend als großartige Stimmungskultur.
Ich kann damit überhaupt nichts anfangen. Ja, viele finden diese Bilder „megageil”. Für mich sind sie vor allem dumm und gefährlich. Pyrotechnik im Stadion hat nichts mit Schönheit zu tun. Sie schadet der Gesundheit und sorgt dafür, dass sich manche Menschen im Stadion nicht mehr wohlfühlen.
Gerade für Menschen mit gesundheitlichen Problemen kann das schnell unangenehm werden. Ich selbst habe aufgrund meiner Behinderung ohnehin schon Probleme mit der Atmung. Da brauche ich keine zusätzlichen Rauchschwaden im Stadion und auch keine Sorgen, mir durch solche Aktionen noch gesundheitliche Probleme einzuhandeln. Das ist auch einer der Gründe, warum ich heute deutlich seltener ins Stadion gehe als früher.
Außerdem sitzen dort nicht nur Erwachsene. Im Stadion sind auch viele Familien mit Kindern. Die Kinder könnten ebenfalls gesundheitliche Probleme bekommen, sich verletzen oder im schlimmsten Fall solche Aktionen irgendwann nachmachen wollen. Dass sich manche „Fans” dabei auch noch vermummen, macht die Sache nicht besser. Für mich wirkt das einfach feige.
Was ich ebenfalls nicht verstehe, ist, warum der Support solcher Gruppen oft so stark gelobt wird, während die Pyro-Aktionen nur halbherzig kritisiert werden. Eigentlich sind diese Aktionen verboten. Trotzdem wird häufig so getan, als gehörten sie eben dazu.
Ich finde, die Vereine sollten konsequenter dagegen vorgehen. Denn am Ende zahlen die Klubs hohe Strafen an den DFB und dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle. Damit könnte man Schulden abbauen, die Infrastruktur verbessern oder vielleicht sogar einen neuen Spieler verpflichten. Stattdessen wird es wegen solcher Aktionen verbrannt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Die ewige Bayern-Hofierung geht mir auf die Nerven
Nach dem 3:0 beziehungsweise nach dem Spiel ist mir noch etwas anderes auf die Nerven gegangen: die übertriebene Hofierung der Bayern. Teilweise wurde die aktuelle Mannschaft direkt wieder zur „besten Bayern-Mannschaft aller Zeiten” erklärt. Ganz ehrlich: Nein.
Eine Mannschaft, die im Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain insgesamt sechs Gegentore kassiert und deshalb das Finale verpasst, kann für mich nicht die beste Bayern-Mannschaft aller Zeiten sein. Vor allem defensiv ganz sicher nicht.
National hat es vielleicht gereicht. International aber eben nicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Bayern schlecht sind. Natürlich nicht. Sie haben Qualität, sie haben Titel gewonnen und sie bleiben eine Top-Mannschaft.
Aber dieses ständige Überhöhen und die ewige Superlativ-Kultur im deutschen Fußball nerven mich inzwischen einfach nur noch. Man kann ein Team loben, ohne direkt jede historische Einordnung komplett zu übertreiben. Das gilt auch beim Schlechtmachen.
Der Finaltag der Amateure bleibt etwas Besonderes
Zum Schluss noch etwas Positives: Ich liebe den Finaltag der Amateure vor dem großen Pokalfinale am Abend. Ich finde es großartig, dass Das Erste alle Spiele zeigt. Genau solche Fußballgeschichten sind es, die den Sport ausmachen. Kleine Vereine, unbekannte Namen, regionale Rivalitäten und echte Emotionen.
Dabei entdeckt man immer wieder Mannschaften, die man vorher kaum kannte. Genau das macht den Reiz aus. Während im Profifußball oft alles durchkommerzialisiert wirkt, spürt man dort noch deutlich mehr Authentizität und Leidenschaft.
Für mich gehört der Finaltag der Amateure inzwischen genauso fest dazu wie das große Spiel selbst.
Grüße, Lorenzo
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