Die Anstalt, Danger Dan und Igor Levit: Warum das ZDF das falsche Signal sendet

Wenn ich an „Die Anstalt“ denke, dann denke ich an kluge Satire, an gesellschaftliche Debatten und an eine Sendung, die sich nie davor gescheut hat, unbequem zu sein. Gerade deshalb hat mich die Entscheidung des ZDF enttäuscht, den geplanten Auftritt von Danger Dan und Igor Levit kurzfristig abzusagen.

Als Begründung hieß es, ihr gemeinsamer Song „Keine Angst“ könne als Gewaltaufruf verstanden werden. Diese Einschätzung sorgte nicht nur öffentlich, sondern offenbar auch innerhalb der Redaktion von „Die Anstalt“ für Kritik.

Für mich bleibt vor allem der Eindruck zurück, dass sich das ZDF für den einfacheren Weg entschieden hat – und damit ein fatales Signal gesendet hat.

Symbolbild: Filmkamera

Gerade jetzt braucht es Haltung

Seit Jahren beobachten wir eine Veränderung des politischen und gesellschaftlichen Diskurses. Rechte und rechtspopulistische Positionen werden lauter und selbstbewusster. Sie werden immer häufiger als vermeintlich normale Meinung dargestellt. Menschen werden aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Identität angegriffen. Demokraten, Journalisten und Ehrenamtliche geraten zunehmend unter Druck.

In einer solchen Zeit reicht es aus meiner Sicht nicht aus, sich hinter größtmöglicher Vorsicht zu verstecken. Gerade jetzt braucht es Menschen, die Haltung zeigen. Es braucht Künstler, die Missstände benennen. Es braucht Satire, die provoziert. Und es braucht öffentlich-rechtliche Sender, die den Mut haben, solche Stimmen auszuhalten – auch dann, wenn sie anecken.

Kunst darf unbequem sein

Kunst war noch nie dazu da, allen zu gefallen. Sie darf provozieren, irritieren und Debatten auslösen. Selbstverständlich kann man über einzelne Texte oder Formulierungen diskutieren. Das gehört zu einer offenen Gesellschaft dazu.

Was ich allerdings problematisch finde, ist eine Entscheidung, die offenbar vor allem aus der Sorge heraus getroffen wurde, ein Werk könnte missverstanden werden.

Wer Kunst vorsorglich aus dem Programm nimmt, weil sie kontrovers sein könnte, setzt einen Maßstab, der weit über diesen Einzelfall hinausgeht. Dann entscheidet irgendwann nicht mehr die Qualität einer künstlerischen Aussage, sondern die Angst vor der nächsten Empörungswelle.

Das öffentlich-rechtliche ZDF trägt Verantwortung

Das ZDF ist mehr als nur ein Fernsehsender. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat es einen Auftrag: informieren, einordnen und den demokratischen Diskurs fördern.

Genau deshalb hätte ich mir gewünscht, dass das ZDF zu seiner Entscheidung, Danger Dan und Igor Levit bei „Die Anstalt“ auftreten zu lassen, gestanden hätte.

Haltung zu zeigen, bedeutet nicht, parteipolitisch zu sein. Für mich bedeutet Haltung, dort klar Position zu beziehen, wo Demokratie, Menschenwürde und Rechtsstaat unter Druck geraten.

Neutralität bedeutet nicht, jede Position gleich zu behandeln. Wer unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung angreift oder Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Identität abwertet, bewegt sich außerhalb dessen, was eine demokratische Gesellschaft schützen sollte.

Einknicken hilft niemandem

In den vergangenen Jahren habe ich immer häufiger den Eindruck gewonnen, dass Institutionen und Medien aus Angst vor lautstarken Kampagnen vorsichtiger geworden sind. Genau das bereitet mir Sorgen.

Denn wer aus Angst vor Kritik zurückweicht, überlässt den Lautesten immer mehr Raum. Demokratie lebt jedoch nicht davon, Konflikte zu vermeiden. Sie lebt davon, sie auszuhalten und auf Grundlage unserer gemeinsamen Werte auszutragen.

Deshalb empfinde ich die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit nicht als verantwortungsvoll, sondern als Zeichen von Unsicherheit.

Mein Fazit

Ich hätte mir den Auftritt der beiden Künstler in der Sendung „Die Anstalt“ gewünscht. Nicht, weil jede Zeile eines Songs unwidersprochen bleiben muss, sondern weil ich überzeugt bin, dass Kunst, Satire und Musik ihren Platz im gesellschaftlichen Diskurs haben – gerade dann, wenn sie unbequem sind.

In Zeiten eines zunehmenden Rechtsrucks kann unsere Demokratie keine größere Zurückhaltung gebrauchen. Sie braucht mehr Mut. Mut, Haltung zu zeigen. Mut, demokratische Werte zu verteidigen.

Und den Mut, klar zu sagen, dass Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Hass keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. Ich wünsche mir, dass das ZDF diesen Mut künftig wieder stärker zeigt.

Video

Hier ist außerdem das Video von „Keine Angst„, das du dir anschauen kannst:

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Mehr Informationen

Lorenzo

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