Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution

Der Film „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ mit Janina Fautz in der Hauptrolle ist eine Anguck-Empfehlung von mir. Fautz spielt eine Jugendliche in der Vorwendezeit der DDR, genauer gesagt in Leipzig, die sich einer Umweltschutzgruppe anschließt. Die Gruppe wird mit der Zeit immer politischer und setzt sich dann auch für demokratische Grundrechte ein.

Die Jugendliche (Franka) ist 19, Abiturientin und möchte eine Ausbildung zur Druckereifacharbeiterin machen. Mit ihrer Freundin träumt sie von Konzertbesuche bei westlichen Stars. Auf dem Weg mit der Freundin in die Diskothek lernt sie flüchtig einen jungen Mann kennen, der gerade vor der Polizei flieht. Sie findet seine verlorengegangene Tasche mit Flugblättern einer Umweltschutzgruppe. Die Gruppe trifft sich immer in einer Kirche, weil sie dort halbwegs Schutz hat, wenn sie ihre Meinungen sagt und Aktionen plant. Franka geht eines Tages hin und lernt den Mann bzw. die Gruppe näher kennen. Und schließlich verliebt sie sich in ihn und macht bei der Gruppe mit.

Sie entwickelt sich schnell zu einer der Aktivsten und Mutigsten. So kommt sie auf die Idee, eine Demo für mehr Umweltschutz als Gedenkumzug zu tarnen. Ihre veränderte Haltung zum Staat bleibt dem Klassenlehrer auch nicht verborgen, er meldet sie der Parteileitung. Frankas Mutter, die Mitarbeiterin des Demokratischen Frauenbunds ist, wird deshalb in die Parteileitung zitiert und unter Druck gesetzt, ihre Tochter zu bespitzeln, was sie aber ablehnt.

Dass Franka sich für den Umweltschutz so engagiert, hat einen ernsten Hintergrund. Denn die Familie lebte früher in einem Dorf des Braunkohlereviers bei Bitterfeld. Ihr jüngeren Bruder ist dort nämlich an der Atemwegserkrankung Pseudokrupp gestorben. Und da der Braunkohleabbau viel Umwelt- und Luftverschmutzung verursacht hat, hatte die Mutter mit vielen Briefen an die Parteileitung auf die Missstände hingewiesen, aber dann aufgegeben. Die Parteileitung ignorierte es einfach und schwieg, obwohl die Verschmutzungen in der Region um Bitterfeld in den 80ern nicht mehr übersehbar waren.

Die Mutter war zunächst von Frankas Aktionen auch nicht so begeistert. Sie hatte eben Angst um die Zukunft von ihrer Tochter. Aber mit der Zeit unterstützte sie Franka. In der DDR war es nämlich so, wer sich staatskritisch geäußert hat oder bei Demos mitgemacht hat, durfte nicht mehr studieren bzw. nicht mehr alles arbeiten.

Als Franka und die anderen planen, die Gedenkfeier für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 11. Januar 1989 zu einer Demo für Meinungsfreiheit zu machen und mit Flugblättern dafür zu werben, werden sie verhaftet, nur Frankas Freund nicht. Die Stasi behauptete, dass er ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM) war, um Franka zu erpressen und so an Informationen zu kommen. Aber sie glaubt es nicht und kommt frei wie die anderen auch. Ihre Freund konnte aber tatsächlich nach dem Flugblätter-Verteilen irgendwie in den Westen fliehen. Franka übernimmt die Arbeit von ihrem Freund in einem Altenheim als Pflegekraft und kämpft mit der Gruppe weiter. Eines Tages bekommen sie eine Videokamera mit einer Kassette aus dem Westen für Aufnahmen von Umweltverschmutzung. Auf der Kassette ist aber auch eine kurze Botschaft von ihrem Freund drauf. Er ist jetzt in West-Berlin und erklärt in der heimlichen Nachricht Franka alles.

Der Fiilm basiert auf dem Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution: Wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ von Peter Wensierski. Der Hintergrund vom Buch war die ilegal gedrehte Dokumentation „Bitteres aus Bitterfeld„. Teile davon wurden in der Sendung „Kontraste“ der ARD am 27. September 1988 gezeigt. Daran kann ich mich noch gut erinnern, auch wenn ich damals erst 12 Jahre alt war. Wensierski war damals der Redakteur der Sendung.

„Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ ist ein toller Film, obwohl er manchmal echt wie ein reiner Liebesfilm wirkt. Aber das Hauptthema wird trotzdem noch gut dargestellt. Und die Schauspieler*innen spielen auch toll, vor allem Janina Fautz. Sie ist nicht nur eine Süße, sondern eine klasse Schauspielerin. 😀 Ich mag sie sehr! Den Film gibt es seit dem 21. April 2021 in der ARD-Mediathek und er lief am 28. April 2021 im Ersten.

Lorenzo

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