Transfers, die sich wie Siege anfühlen – und ein englischer Wahnsinn

Als HSV-Fan waren die letzten Tage des Transferfensters für mich richtig schön. Die Transfers meines Vereins haben mich fast genauso glücklich gemacht wie ein Sieg. Das mag übertrieben klingen, aber so fühlt es sich eben an.

Wenn sich die Neuzugänge gut und möglichst schnell integrieren, kann der HSV meiner Meinung nach auch in dieser Saison den Klassenerhalt schaffen. Deshalb möchte ich den Verantwortlichen beim HSV ein großes Kompliment machen.

Symbolbild: Fußball

Der HSV macht seine Hausaufgaben

Aus Hamburger Sicht hätte der sogenannte Deadline Day kaum besser laufen können. Fabio Vieira bleibt beim HSV und wurde diesmal fest vom FC Arsenal London verpflichtet. Nach seiner starken vergangenen Saison mit sieben Toren und fünf Vorlagen ist das ein Transfer, über den ich mich besonders freue. Er kennt den Verein, die Stadt, die Mannschaft und die Bundesliga bereits. Das dürfte die Integration deutlich erleichtern.

Mit Zakaria El Ouahdi und David Möller Wolfe kamen zudem zwei weitere Verstärkungen für die Außenbahnen. El Ouahdi kommt vom belgischen Erstligisten KRC Genk und ist marokkanischer Nationalspieler. Möller Wolfe wurde für diese Saison von den Wolverhampton Wanderers ausgeliehen und hat gerade erst bei der Weltmeisterschaft für Norwegen gespielt.

Das klingt für mich nach einer ziemlich guten Mischung. Es gibt erfahrene Spieler, die für neue Impulse sorgen, und gleichzeitig Fußballer, die wissen, was auf diesem Niveau verlangt wird.

Nicht jeder Transfer ist ein Gewinn

Zu einem Transferfenster gehören natürlich nicht nur Zugänge. So wurde beispielsweise Rayan Philippe für die kommende Saison an den SC Paderborn verliehen. Ich finde diesen Schritt nachvollziehbar, sofern er dadurch regelmäßig spielen kann und sich weiterentwickelt. Gerade, weil sich seine Situation beim HSV durch die neuen Transfers verändert hat.

Auch Emir Sahiti hat den HSV verlassen und ist zu Hannover 96 gewechselt. Laut dem HSV waren seine Aussichten auf regelmäßige Spielzeit gering. So ist Fußball eben. Ein Kader muss sich ständig verändern.

Auch andere Bundesligisten waren aktiv

Nicht nur beim HSV wurde in den vergangenen Tagen eifrig gearbeitet. Auch die anderen Vereine der ersten und zweiten Liga haben teilweise interessante und durchaus überraschende Transfers getätigt. Einige Mannschaften haben gezielt nach Verstärkungen gesucht, andere haben junge Spieler ausgeliehen oder setzen auf entwicklungsfähige Fußballer.

Gerade solche Transfers finde ich oft interessanter als die Verpflichtung großer Namen. Denn am Ende entscheidet nicht die Ablösesumme darüber, ob ein Transfer funktioniert. Ein Spieler muss zur Mannschaft passen.

England – langsam wird es absurd

Wenn ich nach England schaue, komme ich aus dem Staunen kaum noch heraus. Was in der Premier League in diesem Sommer passiert ist, war teilweise schon aberwitzig. Die englischen Vereine haben insgesamt rund 3,46 Milliarden Pfund für Transfers ausgegeben und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Vier der elf teuersten Transfers der Premier-League-Geschichte wurden allein in diesem Sommer getätigt.

So wechselte Bradley Barcola für zunächst rund 107 Millionen Pfund von Paris Saint-Germain zu Liverpool, Morgan Rogers kostete Chelsea etwa 117 Millionen und Enzo Fernández wechselte für 125 Millionen Pfund von Chelsea zu Manchester City. Auch Manchester City, Tottenham, Arsenal und Manchester United bewegten Summen, bei denen ich nur noch den Kopf schütteln kann. Das hat für mich mit einem normalen Transfermarkt nicht mehr viel zu tun.

Wie lange kann das noch gut gehen?

Selbstverständlich lässt sich argumentieren, dass die Premier League aufgrund ihrer enormen TV-Einnahmen wirtschaftlich in einer anderen Liga spielt. Aber genau das ist für mich Teil des Problems. Je mehr Geld im System steckt, desto höher werden die Ablösesummen. Und desto größer wird auch die Abhängigkeit von Investoren und anderen Geldquellen.

Irgendwann stellt sich mir deshalb die Frage: Wie lange kann dieses System noch funktionieren? Mehr Geld bedeutet nicht automatisch besseren Fußball. Vor allem bedeutet es nicht automatisch mehr Nachhaltigkeit.

Der Fußball zwischen Freude und Wahnsinn

Ich freue mich jedenfalls sehr über die vergangenen Tage für meinen HSV. Die Transfers fühlen sich fast wie kleine Siege an. Jetzt müssen die neuen Spieler nur noch auf dem Platz überzeugen. Wenn ihnen das gelingt, bin ich durchaus optimistisch, dass mein HSV auch in dieser Saison wieder eine gute Chance auf den Klassenerhalt hat.

Während ich mich über solche Transfers freue, schaue ich gleichzeitig etwas fassungslos nach England. Im Fußball wäre manchmal ein bisschen weniger Geld vielleicht gar nicht so schlecht. Denn irgendwann sollte es wieder mehr darum gehen, wer die bessere Mannschaft hat, und nicht darum, wer die größeren Schecks ausstellen kann.

Grüße, Lorenzo

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