Heute möchte ich dir von einem Interview berichten, das ich mit der Skiakrobatikerin Emma Weiß aus Albstadt geführt habe. Manchmal entstehen Gespräche nicht nur durch Umwege, Weiterleitungen und einen guten Hinweis zur richtigen Zeit, sondern auch durch Zufälle.
Mitte Februar habe ich zufällig den Wettkampf „Freestyle Aerials” bei Olympia gesehen. Ich war sofort fasziniert. Diese Sportart ist spektakulär: höchste Sprünge, mehrere Saltos, schnelle Schrauben – alles in wenigen Sekunden, alles auf den Punkt. Dabei geht es um Perfektion, Schwierigkeit und absolute Körperkontrolle.
Dann wurde erwähnt, dass die deutsche Starterin aus Albstadt kommt. Da wurde ich hellhörig. Albstadt ist für mich nämlich so etwas wie eine zweite Heimat. Meine Oma hat fast ihr ganzes Leben in Albstadt-Ebingen verbracht. Seit meiner Kindheit habe ich sie regelmäßig mit meiner Mutter oder meinen Eltern besucht – oft zweimal im Jahr, trotz der langen Strecke von Hamburg aus. Als meine Oma 2015 im Alter von 101 Jahren gestorben ist, hat die Familie das Haus nicht verkauft. Wir nutzen es bis heute als Ferienhaus. So führt mich mein Weg immer wieder nach Ebingen zurück, wenn auch seltener als früher.
Zurück zu Emma: Ich habe sie auf Instagram gesucht, ihr gefolgt und ihr schließlich geschrieben, wie beeindruckend ich ihre Sportart und ihre Leistungen finde. Ehrlich gesagt, habe ich nicht erwartet, dass sie antwortet. Aber sie tat es. Offen, freundlich, nahbar. So entstand die Idee zu diesem Interview.
Emma sucht aktuell neue Unterstützer:innen, da einige Verträge auslaufen. Ich selbst kann sie leider nicht finanziell unterstützen, aber ich kann ihr hier eine Plattform bieten. Und genau das möchte ich tun.
In unserem Gespräch sprechen wir über ihren Weg in die Skiakrobatik, über Olympia, über Druck und Disziplin, über ihre aktuellen Ziele und über die Rolle des Glaubens in ihrem Leben.
Ein großes Kompliment für deine offenherzige Art und deine Bereitschaft zum Interview. Vielen Dank dafür, liebe Emma!
Interview
1. Frage: Emma, wie bist du überhaupt zur Skiakrobatik gekommen und was hat dich an dieser Sportart von Anfang an begeistert?
Antwort von Emma:
Ganz klassisch über meinen Papa tatsächlich. Viele Sportler finden so zum Sport. Er war selbst Skiballett-Fahrer, auch sehr erfolgreich, einige Weltcupsiege und 6. Bei den Olympischen Spielen, und hat mich schon früh zum Sport gebracht. So kam eins zum anderen. Bis ich 14 war, habe ich Buckelpiste gemacht, wurde dann jedoch rekrutiert zum Aerials, weil Potenzial zu sehen war. Mich hat schon immer die Zeit in der Luft, das Fliegen, fasziniert. Außerdem finde ich die Detailarbeit, die wir im Training an den Tag legen müssen, immer wieder erneut faszinierend.
2. Frage: Freestyle Aerials ist eine der spektakulärsten Wintersportarten: hohe Sprünge, mehrere Saltos, schnelle Schrauben. Was geht dir in dem Moment durch den Kopf, wenn du am Absprung stehst?
Antwort von Emma:
Fokus. Versuchen, sich auf einige Keypoints zu fokussieren, die zuvor mit dem Trainer abgesprochen wurde. Außerdem noch eine Visualisierung und Vorübung.
3. Frage: Olympia ist für viele Sportler:innen ein Lebenstraum. Wie hast du die Atmosphäre dort erlebt und was war dein emotionalster Moment?
Antwort von Emma:
Ja, die Olympischen Spiele sind wahrlich sehr besonders. Peking war eine ganz andere Erfahrung als Livigno. Alles an Livigno war magisch: Die spektakuläre Kulisse, alle „gefangen“ in einem Dorf und so ein sehr enger Kontakt sowohl zu den anderen Athleten als auch zur Familie, perfekte Anlage. Das Wetter war durchmischt, ein Tag Schnee, ein Tag strahlender Sonnenschein. Also wirklich: Winter. Das ist das, was wirklich Olympisches Winterspieleflair aufkommen lässt.
4. Frage: Leistungssport bedeutet nicht nur Erfolg, sondern auch Rückschläge. Wie gehst du mit Druck, Erwartungen und vielleicht auch mit Enttäuschungen um?
Antwort von Emma:
In den letzten Jahren habe ich einen deutlichen Shift erlebt. Ich durfte vor zwei Jahren Gott kennenlernen und denke seitdem ganz anders über Rückschläge. Natürlich, sie gehören immer dazu. Aber davor ist schon teilweise die Welt untergegangen, wenn etwas nicht so lief wie ich mir das erhofft habe. Nun weiß ich, dass meine Identität von Gott gegeben ist und ich geliebt bin vor jeder Leistung. Das heißt nicht, dass ich deshalb keine Leistung erbringen möchte, ganz im Gegenteil. Meine Zielstrebigkeit ist noch größer geworden, weil ich weiß, dass ich nicht nur für mich gut springen möchte.
5. Frage: Du kommst aus Albstadt, einer Stadt, die viele vielleicht nicht sofort mit Wintersport verbinden. Was bedeutet dir deine Heimat und wie wichtig ist dieses Fundament für deine Karriere?
Antwort von Emma:
Unfassbar viel. Ich bin ein Familienmensch durch und durch. Dadurch dass ich schon früh immer viel reisen durfte / musste durch den Sport, schätze ich es sehr, immer wieder in meine vertraute Heimat mit meinen Eltern, meiner Schwester und meiner Oma zurückkommen zu dürfen.
6. Frage: Der Leistungssport ist auch eine finanzielle Herausforderung. Sponsorenverträge laufen aus, neue Partner müssen gefunden werden. Wie erlebst du diese Seite des Sports und was wünschst du dir von potenziellen Unterstützer:innen?
Antwort von Emma:
Das ist wahrlich nicht immer einfach. Ich bin eine gewisse Ausnahme im deutschen Sport, ich muss mich nämlich komplett selbst finanzieren. Der Deutsche Skiverband, der eigentlich meine Ausgaben decken müsste, hat sich strukturell dazu entschieden, dies nicht zu tun, da ich die erste deutsche Skiakrobatin seit über 20 Jahren bin. Deshalb muss ich Sponsorenakquise, -betreuung, Reiseplanung und -organisation alles selbst machen. Das ist natürlich ein enormer Mehraufwand und alles andere als normal…
Von Unterstützer:innen wünsche ich mir, dass wir ähnliche Werte vertreten. Ich glaube, nur so kann eine nachhaltige Zusammenarbeit auf beiden Seiten entstehen.
7. Frage: Viele Menschen sehen bei Olympia nur die paar Sekunden des Sprungs. Wie sieht dein Alltag aus – Training, Vorbereitung, mentale Arbeit?
Antwort von Emma:
Sehr durchgetaktet. Mein Training ist enorm facettenreich. Viel Gym, Ballett (mein Vater hat eine Ballettschule), Trampolin, Trampolin mit Bungee, Koordinationstraining und natürlich die Arbeit auf der Schanze. Im Sommer auf der Wasserschanze, im Winter im Schnee. Außerdem tägliches Mentraltraining mit Visualisierungen etc.
8. Frage: In deinem Leben spielt der Glaube an Gott eine wichtige Rolle. Wie beeinflusst dein Glaube deinen Umgang mit Erfolg, Angst oder Risiko?
Antwort von Emma:
Ich habe es vorhin schon angedeutet. Durch Gott wurde ich zu einem neuen Menschen wie es in 2. Korinther 5,17 steht. Ich lebe jetzt nicht mehr für mich, sondern für ihn. Das macht das Leben nicht nur einfacher. Eine der wichtigsten Grundsätze ist, dass ich meinen Nächsten lieben möchte wie mich selbst. Das erfordert manchmal auch echt ein über den eigenen Schatten springen.
9. Frage: Gibt es Momente vor einem Wettkampf, in denen du bewusst innehältst oder betest? Gibt dir das zusätzliche Ruhe oder Fokus?
Antwort von Emma:
Ja, seitdem eben Gott so eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt, will ich ihn natürlich auch beim Wettkampf dabeihaben. Ich bete davor und lade ihn ein, dass er dabei sein darf. Nicht mein, sondern sein Wille geschehe.
10. Frage: Wenn du nach vorne blickst: Was sind deine sportlichen Ziele für die nächsten Jahre und welche Träume möchtest du dir noch erfüllen?
Antwort von Emma:
Das wird sich zeigen. Ich bin gespannt, was Gott noch mit mir vorhat.
Persönliches Schlusswort
Als ich den Wettkampf zufällig im Fernsehen sah, hätte ich nicht gedacht, dass daraus einmal ein Interview entstehen würde. Und schon gar nicht, dass mich dieses Gespräch so berühren würde.
Emma hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie viel Mut, Disziplin und innere Stärke in diesen wenigen Sekunden in der Luft stecken. Was wir als Zuschauer:innen als spektakulären Sprung wahrnehmen, ist für sie das Ergebnis jahrelanger Arbeit, von Rückschlägen, Zweifeln – und einem unerschütterlichen Glauben an sich selbst.
Besonders beeindruckt hat mich, wie selbstverständlich sie über ihren Glauben spricht. Auch wenn ich selbst nicht direkt an Gott glaube, finde ich es bereichernd, Menschen zuzuhören, die aus ihrem Glauben Kraft ziehen. Offenheit beginnt genau da: im Zuhören.
Und ganz persönlich war dieses Interview für mich auch eine kleine Reise zurück nach Albstadt-Ebingen – zu meiner Oma, zu vielen Erinnerungen, zu einem Ort, der ein Stück Heimat geblieben ist.
Liebe Emma, danke für deine Offenheit, deine Zeit und deinen Mut.
Ich wünsche dir von Herzen, dass du deine sportlichen und persönlichen Ziele erreichst. Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages in Ebingen oder irgendwo anders mal persönlich.
Lorenzo
PS: Dieses Interview ist eine unbezahlte Werbung.
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Lieber Lorenz, nachträglich ganz herzlichen Glückwunsch zu deinem runden Geburtstag! Sicher hast du ordentlich gefeiert. Dein Interview ist toll! Alles Gute für dich von Ute und mir. Gruß Walle
Vielen Dank, Ute und Walle! Über den Glückwunsch und das Lob für das Interview freue ich mich sehr.
Wir waren in Lübeck und haben dort meinen Geburtstag ein bisschen gefeiert. Es war schön.
Lorenzo
Hallo Lorenzo,
echt cool, wie machst Du das immer das Du mit so tollen Leuten ein Interview bekommst. Werden Sie auf dich aufmerksam oder fragst Du an? Wie läuft das ab? Hast Du da ein Geheimtipp. Danke für dieses Interessante Interview! LG Edeline
Hallo Edeline,
vielen Dank dir! Es freut mich sehr, dass dir das Interview gefallen hat. 😊
Tatsächlich läuft das ganz unterschiedlich: Manchmal habe ich schon jemanden im Blick, von dem ich denke, dass er oder sie gut zu meinem Blog passt, und frage dann direkt an. Manchmal entsteht so etwas aber auch eher zufällig, zum Beispiel durch Begegnungen oder ein kurzes Gespräch, wie bei diesem Interview.
Am Ende gehört auch immer ein bisschen Mut dazu, einfach zu fragen. Und klar, es klappt auch nicht immer. Manche Anfragen verlaufen im Sande oder passen zeitlich nicht.
Einen richtigen Geheimtipp habe ich also leider nicht, außer vielleicht: Offen bleiben, neugierig sein und sich trauen, Leute anzusprechen.
Viele Grüße
Lorenzo
Danke Dir für Deine Tipps! LG Edeline
Hallo Edeline,
sehr gern! 😊
Viele Grüße
Lorenzo