Unsere Nationalmannschaft hat gestern Abend ihr Nations-League-Spiel gegen Griechenland mit 0:1 verloren. Das ist natürlich enttäuschend. Gerade nach dem ordentlichen 1:1 gegen die Niederlande hatte ich mir für das Heimspiel in Augsburg etwas mehr erhofft.
Allerdings fand ich die Leistung unserer Mannschaft nicht annähernd so schlecht, wie sie anschließend teilweise dargestellt wurde. Natürlich gab es einiges zu kritisieren. Aber man sollte deshalb nicht gleich alles infrage stellen.
Zu wenig Druck gegen eine gut organisierte Abwehr
Unsere Nationalmannschaft hatte über weite Strecken viel Ballbesitz. Allerdings gelang es ihr nur selten, die griechische Abwehr in Bewegung zu bringen. Die Griechen standen sehr kompakt und machten es unserer Mannschaft schwer, gefährlich vor das Tor zu kommen. Es fehlten häufig die entscheidenden Ideen sowie die nötige Geschwindigkeit im Angriff.
Das muss man durchaus kritisch anmerken. Allerdings sollte man dabei auch nicht vergessen, dass die griechische Nationalmannschaft keine „Thekenmannschaft” ist, wie man so schön sagt. Sie verfügt über gute Spieler und kann durchaus Fußball spielen.
Vor allem in der Defensive haben die Griechen gestern gezeigt, wie gut sie organisiert sind. Sie haben die Räume geschickt zugestellt und unserer Mannschaft kaum Möglichkeiten gegeben, ihr Spiel aufzuziehen.
Griechenland blieb beim Umschalten gefährlich
Auch beim Umschalten war Griechenland immer wieder gefährlich. Wenn unsere Mannschaft den Ball verlor, starteten die Griechen teilweise sehr schnell nach vorne. Dadurch ergaben sich immer wieder gefährliche Situationen. Unsere Abwehr konnte diese Angriffe allerdings meistens noch verteidigen. Insgesamt stand sie aus meiner Sicht gar nicht so schlecht da. Nur einmal gelang das nicht.
In der 74. Minute erzielte Dimitrios Kourbelis das entscheidende Tor. Sein Schuss wurde von Joshua Kimmich unglücklich abgefälscht und war für Alexander Nübel nicht mehr zu halten. Das war natürlich Pech für unsere Mannschaft. Aber so etwas gehört nun einmal zum Fußball dazu. Manchmal entscheiden eben auch abgefälschte Schüsse über Sieg oder Niederlage.
Ein bisschen mehr Kreativität hätte geholfen
Was mir allerdings wirklich gefehlt hat, war die Durchschlagskraft im Angriff. Unsere Mannschaft hatte zwar viel Ballbesitz, konnte daraus aber zu wenig machen. Es fehlten die überraschenden Pässe, die schnellen Kombinationen und die Ideen, um die griechische Abwehr vor größere Probleme zu stellen.
Dabei gab es durchaus Möglichkeiten. Karim Adeyemi hatte beispielsweise in der ersten Halbzeit gute Chancen, die allerdings ungenutzt blieben. Auch nach der Pause kam Deutschland zu einigen Gelegenheiten. Mit etwas mehr Konsequenz hätte unsere Mannschaft ein Tor erzielen können.
Natürlich kann man sich darüber ärgern, dass dies nicht gelungen ist. Ich finde aber, man sollte dabei auch die Leistung der griechischen Abwehr anerkennen.
Muss gleich jeder gute Pass Weltklasse sein?
Nach dem Spiel ist mir eine Aussage von Bastian Schweinsteiger besonders im Gedächtnis geblieben. Er bezeichnete den guten Pass vor dem 0:1 sinngemäß als weltklasse. Aber muss denn jeder gute Pass gleich Weltklasse sein? Geht es nicht auch eine Etage tiefer? Für mich ist Weltklasse schon etwas anderes. Natürlich kann man einen Pass loben, wenn er gut gespielt ist.
Aber nicht jede gelungene Aktion muss gleich außergewöhnlich sein. Gerade bei der Bewertung von Fußballspielen wird meiner Meinung nach inzwischen häufig übertrieben. Entweder ist eine Mannschaft überragend, oder sie hat angeblich überhaupt nichts zustande gebracht. Dabei gibt es doch viele Abstufungen dazwischen.
Unsere Nationalmannschaft hat gestern sicherlich kein überragendes Spiel gemacht. Aber sie hat auch nicht alles falsch gemacht. Die Defensive stand über weite Strecken ordentlich und die Mannschaft hat sich bemüht, nach vorne zu spielen.
Dass das gegen eine gut organisierte griechische Mannschaft nicht immer funktioniert, sollte ebenfalls berücksichtigt werden.
Jürgen Klopp braucht Zeit
Und damit komme ich zu Jürgen Klopp. Natürlich wird nach einer Niederlage schnell darüber diskutiert, ob der neue Bundestrainer bereits die richtigen Entscheidungen trifft und ob seine Spielidee funktioniert. Aber ich finde, wir sollten ihm zunächst einmal Zeit geben. Klopp ist noch nicht lange im Amt. Er muss die Mannschaft kennenlernen, seine Vorstellungen vermitteln und herausfinden, welche Spieler am besten zusammenpassen. Das geht nicht von heute auf morgen.
Außerdem hat er bereits beim Spiel gegen die Niederlande gezeigt, dass die Mannschaft durchaus gute Ansätze hat. Auch gegen Griechenland gab es Phasen, in denen ich durchaus zufrieden war. Dass noch nicht alles funktioniert, überrascht mich deshalb überhaupt nicht. Eine neue Mannschaft und eine neue Spielidee brauchen Zeit. Das gilt auch für eine Nationalmannschaft, in der die Spieler nur vergleichsweise wenige Tage miteinander trainieren können.
Nicht gleich alles schlechtreden
Was mich an solchen Niederlagen immer wieder stört, ist die anschließende Schwarzmalerei. Selbstverständlich darf und soll man eine Leistung kritisch bewerten. Auch ich habe gestern Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben. Aber daraus gleich abzuleiten, dass jetzt alles schlecht ist, halte ich für übertrieben. Unsere Nationalmannschaft hat gegen Griechenland verloren.
Das ist ärgerlich, aber noch lange kein Grund, die gesamte Entwicklung infrage zu stellen. Die Griechen haben gut verteidigt, unsere Mannschaft hat zu wenig Druck gemacht und am Ende hat ein abgefälschter Schuss das Spiel entschieden. So einfach kann Fußball manchmal sein.
Jetzt heißt es: weitermachen!
Selbstverständlich muss sich unsere Nationalmannschaft in den kommenden Spielen steigern. Insbesondere im Angriff muss sie kreativer werden und ihre Chancen konsequenter nutzen. Ich bin aber durchaus zuversichtlich, dass ihr das gelingen kann.
Jürgen Klopp sollte die Zeit bekommen, die er braucht, um die Mannschaft weiterzuentwickeln. Schließlich erwarten wir doch alle, dass sich langfristig etwas verbessert. Eine Niederlage gegen Griechenland ändert daran für mich nichts.
Ich habe gestern kein überragendes Spiel unserer Nationalmannschaft gesehen. Aber eben auch längst kein so schlechtes, wie es teilweise dargestellt wurde.
Jetzt heißt es, aus der Niederlage zu lernen und nach vorne zu schauen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich unsere Mannschaft in den nächsten Spielen präsentieren wird. 🇩🇪
Lorenzo
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