Manche Blogbeiträge liest man und denkt danach einfach: Diesen Beitrag kann ich nur empfehlen. Genau so ging es mir mit dem vorletzten Beitrag von Anja, die auf ihrem Blog unter dem Namen Saphirija schreibt. Sie berichtet darin offen und persönlich über ihre ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter.
Ich finde ihren Beitrag wirklich toll. Und ich möchte mich auch an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bei ihr für diesen offenen Einblick bedanken. Denn man merkt, wie viel Überwindung und Mut es gekostet haben muss, ein so persönliches Thema mit anderen Menschen zu teilen.
Offenheit ist nicht selbstverständlich
Offen über die eigene Lebenssituation, eine Behinderung, eine Diagnose oder persönliche Herausforderungen zu schreiben, ist nicht immer einfach. Als Mensch mit Behinderung muss man sich dazu manchmal tatsächlich erst durchringen.
Natürlich sollte eine Behinderung nicht ständig im Mittelpunkt stehen. Kein Mensch sollte ausschließlich über seine Einschränkung beziehungsweise Erkrankung wahrgenommen oder auf sie reduziert werden. Das möchte ich für mich selbst ebenfalls nicht.
Aber meine Behinderung ist nun einmal ein Teil von mir. Sie gehört zu meiner Geschichte, zu meinen Erfahrungen und zu meinem Alltag. Deshalb muss ich sie auch nicht verschweigen. Und genauso ist es bei ADHS.
Saphirijas Diagnose ist ein Teil ihres Lebens und ihrer Erfahrungen. Das bedeutet nicht, dass sie dadurch auf ADHS reduziert werden sollte. Es bedeutet vielmehr, dass sie einen wichtigen Teil ihrer Geschichte sichtbar macht. Ich finde es richtig und wichtig, dass sie darüber schreibt, statt das Thema einfach unter den Teppich zu kehren.
Persönliche Erfahrungen können anderen helfen
Gerade solche persönlichen Blogbeiträge können für andere Menschen wertvoll sein. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder. Vielleicht versteht jemand die eigenen Erfahrungen dadurch besser. Oder vielleicht fühlt sich ein Mensch, der bisher dachte, mit seinen Problemen allein zu sein, plötzlich ein kleines bisschen weniger allein.
Das ist eine Stärke von Blogs: Sie müssen nicht immer allgemeingültige Antworten liefern. Manchmal reicht es schon, wenn jemand ehrlich erzählt, wie sich das eigene Leben anfühlt.
Ich habe ebenfalls Menschen mit unterschiedlichen unsichtbaren Behinderungen in meinem Umfeld. Dadurch bekomme ich zumindest ein Stück weit mit, wie herausfordernd und belastend der Alltag sein kann, wenn Schwierigkeiten für Außenstehende nicht sofort sichtbar sind.
Bei ADHS kommt hinzu, dass inzwischen häufiger und genauer untersucht beziehungsweise diagnostiziert wird. Dass es heute mehr Diagnosen gibt, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ADHS plötzlich völlig neu entstanden ist. Vieles wird schlicht besser erkannt als früher.
Unterstützung darf nicht vom Sparzwang abhängen
Was mich in diesem Zusammenhang ebenfalls beschäftigt, sind die aktuellen Kürzungen im sozialen Bereich. Wenn therapeutische Angebote, Unterstützungsleistungen oder andere Hilfen gestrichen oder schwerer zugänglich werden, trifft das gerade Menschen, die ohnehin schon mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen haben.
Menschen mit psychischen oder physischen Erkrankungen und Behinderungen brauchen Unterstützung nicht aus Bequemlichkeit. Sie brauchen sie, damit Alltag, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe überhaupt möglich bleiben.
Das gilt für therapeutische Unterstützung genauso wie für Eingliederungshilfe, Teilhabe und Inklusion. Ohne passende Hilfen sind viele Menschen schlicht aufgeschmissen. Und es ist ein Unding, wenn ausgerechnet dort gekürzt wird, wo Unterstützung besonders dringend gebraucht wird.
Danke für diesen offenen Beitrag
Saphirijas Beitrag zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, persönliche Erfahrungen sichtbar zu machen. Nicht, um Menschen auf Diagnosen oder Behinderungen zu reduzieren, sondern um Verständnis zu schaffen und unterschiedliche Lebensrealitäten zu zeigen.
Deshalb ist ihr Beitrag für mich absolut empfehlenswert. Er ist offen, persönlich und sehr gut geschrieben. Danke dir, Saphirija, noch einmal für deinen Mut und dafür, dass du dieses Thema so ehrlich ansprichst. ❤️
Lorenzo
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