30 Grad? Danke, ich brauche sie nicht!

Kaum klettert das Thermometer auf 30 Grad oder mehr, scheint für Radio und Fernsehen die schönste Zeit des Jahres angebrochen zu sein. Menschen werden interviewt und gefragt, was sie bei diesen Temperaturen machen. Es wird über Cabriofahrten, Strandbesuche, Grillabende und Freibäder gesprochen. Dabei klingen die Moderatoren manchmal so, als würden gleich im Studio die Sektkorken knallen.

„Endlich Sommer! Endlich Party! Endlich Beach-Feeling!“ Ganz ehrlich: Das nervt mich zunehmend.

Nicht, weil ich etwas gegen schöne Sommertage hätte. Ganz im Gegenteil. Ich freue mich ebenfalls über Sonne, angenehme Temperaturen und einen schönen Sommerabend. Aber ich brauche keine 30 Grad, um glücklich zu sein. Und schon gar nicht brauche ich Temperaturen jenseits der 35 Grad.

30 Grad? Danke, ich brauche sie nicht!

Sobald die „3“ vorne steht, wird gejubelt

Es ist schon interessant, wie sich die Berichterstattung verändert, sobald die Temperaturanzeige eine „3“ anzeigt.

Plötzlich scheint das Wetter nicht mehr einfach nur Wetter zu sein, sondern ein gesellschaftliches Großereignis. Im Fernsehen und Radio werden Menschen gefragt, wie sie die Hitze genießen wollen. Die einen wollen an den Strand, die anderen ins Freibad und wieder andere mit dem Cabrio durch die Gegend fahren.

Natürlich, macht das. Wenn ihr das mögt, gönne ich euch das. Aber könnten wir bei der Berichterstattung vielleicht trotzdem ein bisschen weniger so tun, als wären 30 oder 35 Grad das größte Geschenk, das uns der Wettergott machen kann? Denn Hitze ist nicht für alle Menschen ein Grund zum Jubeln.

Auch ich leide nicht grundsätzlich unter hohen Temperaturen. Aber ich merke durchaus, dass sie mir zu schaffen macht. Wenn es draußen dauerhaft sehr heiß ist, wird vieles anstrengender. Schlafen kann schwieriger werden, der Kreislauf wird stärker belastet und selbst ganz normale Dinge können plötzlich deutlich mehr Kraft kosten. Und damit bin ich sicherlich nicht allein.

Für manche ist Hitze keine Party

Es gibt Menschen, die hohe Temperaturen deutlich schlechter vertragen. Ältere Menschen, Kinder und Personen mit bestimmten Erkrankungen sind durch extreme Hitze besonders belastet. Auch für Menschen, die draußen arbeiten oder körperlich aktiv sein müssen, sind 30 Grad und mehr kein Grund zum Feiern.

Während im Radio also jemand erzählt, dass er jetzt endlich wieder den Grill anschmeißen kann, sitzt vielleicht gleichzeitig jemand in einer viel zu warmen Wohnung und wartet darauf, dass die Temperatur wieder sinkt. Das passt für mich nicht zusammen.

Vielleicht sollten wir uns deshalb daran erinnern, dass das Wetter nicht für eine bestimmte Zielgruppe gemacht wird. Nicht jeder Mensch liebt Hitze. Und niemand muss sich dafür rechtfertigen, dass er 22 oder 25 Grad angenehmer findet als 32 oder 35. Ich jedenfalls brauche keine 30 Grad, um glücklich zu sein.

Und dann sind da noch die Wälder

Was mich an der überschwänglichen Begeisterung für extreme Hitze aber noch mehr stört, ist die Tatsache, dass wir gleichzeitig über die Folgen solcher Wetterlagen sprechen müssen.

Anderswo brennen Wälder. Frankreich, Spanien oder Griechenland sind immer wieder von schweren Waldbränden betroffen. Trockenheit und Hitze setzen den Landschaften zu. Die Folgen können verheerend sein.

Auch die Binnenschifffahrt zeigt, dass extreme Wetterbedingungen nicht einfach nur ein Grund für schöne Urlaubsfotos sind. Niedrige Wasserstände können den Transport auf Flüssen erheblich erschweren.

Hinzu kommen Menschen, die durch extreme Hitze gesundheitliche Probleme bekommen oder sogar sterben. Ja, so etwas passiert bei diesen Temperaturen. Das ist die andere Seite des vermeintlich perfekten Sommerwetters.

Der Klimawandel ist keine Geschmacksfrage

Und bevor jetzt jemand sagt: „Das ist doch einfach nur Sommer!“ – natürlich gab es auch früher heiße Tage.

Wir können jedoch nicht jedes Mal so tun, als hätte die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitze nichts mit dem Klimawandel zu tun.

Der Klimawandel ist keine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich kann 30 Grad mögen oder nicht mögen. Ich kann mich über Sonnenschein freuen oder mir Regen wünschen. Das ändert jedoch nichts an den physikalischen Zusammenhängen.

Wenn sich die Erde erwärmt, verändern sich auch die Bedingungen, unter denen wir leben. Hitze, Trockenheit, Waldbrände und andere Wetterextreme sind keine völlig losgelösten Ereignisse.

Und genau deshalb finde ich es schwierig, wenn aus jeder angekündigten Hitzewelle in den Medien fast eine einzige große Sommerparty gemacht wird.

Sommer ja – Hitzekult nein

Ich möchte niemandem den Sommer verderben. Wenn du bei 30 Grad glücklich bist, am liebsten den ganzen Tag draußen bist, ins Freibad gehst, grillst oder mit dem Cabrio unterwegs bist, dann viel Spaß dabei!

Aber können wir nicht gleichzeitig akzeptieren, dass andere Menschen das ganz anders empfinden? Ich zum Beispiel brauche keine 30 Grad, um glücklich zu sein.

Mir reichen auch 20, 22 oder 25 Grad. Dazu gerne Sonne, ein bisschen Wind und abends eine angenehme Temperatur. Das ist für mich genauso Sommer.

Und vielleicht sollten Wettermoderator:innen und Radiosender gelegentlich daran denken, dass „heiß” nicht automatisch „schön” bedeutet.

Denn während hier verbal die Sektkorken knallen, kämpfen anderswo Menschen mit den Folgen der Hitze.

Ein bisschen weniger Hitzebegeisterung und ein bisschen mehr Realitätssinn würden uns deshalb ganz gut tun. Sommer darf schön sein. Aber 30 Grad sind kein Grund zum Jubeln.

Lorenzo

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4 Kommentare

  1. Unabhängig davon das ich keine Minusgrade mag, meine Wohlfühltemperatur betägt 25 Grad. alles darunter ist frisch oder kalt, und ja Kälte mag ich noch weniger als Hitze. Nun aber kommt mein Aber: Denn alles über 25 Grad fühlt sich stickig und belastend an. Und ja Sommer = warm okay. Sommer = Hitze und die ist toll, würde ich nie unterschreiben.
    Nur mal meine Gedanken dazu.
    Liebe Grüße
    Daira

    1. Danke dir, Daira, für deine Gedanken! 😊 Ich kann das gut nachvollziehen. Meine Wohlfühltemperatur liegt allerdings noch etwas niedriger: So um die 20 Grad sind für mich ziemlich perfekt. 😄 Alles darüber darf natürlich gerne kommen, aber 25 Grad plus brauche ich nicht unbedingt. Bei 30 Grad oder mehr bin ich dann definitiv bei meinem Punkt aus dem Blogbeitrag: Das muss für mich wirklich nicht sein. 😉

      Ich finde auch, dass man zwischen „Sommer = warm“ und „Sommer = Hitze ist toll“ unterscheiden sollte. Jeder Mensch empfindet Temperaturen eben anders. Und genau deshalb finde ich den Dauerjubel über 30 Grad im Radio und Fernsehen manchmal etwas nervig.

      Liebe Grüße, Lorenzo

    1. Das ist interessant, Claudia! 😊 Ich kenne tatsächlich beide Medienwelten. Einerseits wird durchaus über die zunehmenden Hitzewellen und ihre Folgen berichtet, was ich auch richtig und wichtig finde. Andererseits erlebe ich im Radio und Fernsehen immer wieder einen fast schon euphorischen Jubel, sobald die Temperaturen auf 30 Grad oder mehr steigen. Dazu kommen dann Interviews mit Menschen, die erzählen, wie sie die Hitze genießen.

      Genau dieser Gegensatz hat mich letztlich zu meinem Blogbeitrag inspiriert. Meiner Meinung nach sollte beides seinen Platz haben: die Freude über schöne Sommertage, aber eben auch der Blick auf die Belastungen und Folgen extremer Hitze. 😊

      Grüße, Lorenzo

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