PISA 2025: Deutschland muss endlich gegensteuern

Es gibt erneut schlechte Nachrichten aus dem deutschen Bildungssystem: Die neue PISA-Studie von 2025 zeigt, dass die Leistungen der 15-jährigen Schüler:innen in Deutschland in den Fächern Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so schlecht sind wie nie zuvor seit Beginn der PISA-Erhebungen. Besonders beim Lesen und in Mathematik haben sich die Ergebnisse im Vergleich zu 2022 weiter verschlechtert. Das sollte uns wirklich zu denken geben.

Auf dem Bild ist ein Klassenzimmer zu sehen, das in einem Gebäude zu finden ist.
Klassenzimmer

Das Handy ist nicht an allem schuld – aber ein Teil des Problems

Wenn ich mich manchmal umschaue, frage ich mich allerdings, wie viel Konzentration bei manchen Jugendlichen überhaupt noch übrig bleibt. Das Smartphone ist ständig dabei. TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat und Co. konkurrieren mit Unterricht, Hausaufgaben und Büchern um Aufmerksamkeit. Natürlich kann man jetzt sagen: „Früher gab es auch schon Ablenkungen.” Das stimmt.

Aber ein Smartphone ist eben etwas anderes als ein Comic oder eine Zeitschrift, die nach zehn Minuten wieder weggelegt werden. Soziale Medien sind darauf ausgelegt, unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Ständig gibt es neue Videos, Nachrichten und Benachrichtigungen.

Die PISA-Daten zeigen, dass digitale Ablenkung im Unterricht ein reales Problem ist. In Deutschland berichteten 33 Prozent der Schüler:innen, dass Mitschüler:innen in den meisten oder allen Naturwissenschaftsstunden häufig durch digitale Geräte abgelenkt werden. Schüler:innen, die solche Ablenkung erleben, schneiden im Durchschnitt schlechter ab.

Das bedeutet allerdings nicht, dass wir einfach sagen können: „Die Jugendlichen sind nur wegen ihrer Handys dumm geworden.“ So einfach ist es nicht.

Bildung hängt immer noch stark vom Elternhaus ab

Besonders wichtig finde ich einen anderen Befund der aktuellen PISA-Studie: In Deutschland besteht weiterhin ein sehr großer Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg.

Im Kompetenzbereich Naturwissenschaften liegen Schüler:innen aus dem sozioökonomisch stärksten Viertel im Durchschnitt 125 PISA-Punkte vor Schüler:innen aus dem schwächsten Viertel. Im OECD-Durchschnitt beträgt dieser Abstand 85 Punkte. In Deutschland erklärt der sozioökonomische Status zudem 19 Prozent der Unterschiede bei den Leistungen im Fach Naturwissenschaften.

Das ist für mich ein ziemlich deutliches Zeichen dafür, dass wir über Chancengleichheit in der Bildung reden müssen.

Es darf nicht davon abhängen, wie viel Geld die Eltern haben, welchen Bildungshintergrund sie besitzen oder wie gut sie ihre Kinder beim Lernen unterstützen können, ob ein Kind gute Bildungschancen bekommt.

Ein gutes Bildungssystem muss gerade diejenigen unterstützen, die zu Hause nicht die gleichen Möglichkeiten haben.

Und dann ist da noch der Lehrkräftemangel

Auch die Schulen selbst stehen vor erheblichen Problemen. Im Jahr 2025 besuchten 52 Prozent der Schüler:innen in Deutschland Schulen, deren Schulleitungen einen Mangel an Lehrkräften zumindest teilweise als Behinderung des Unterrichts bezeichneten. Beim unterstützenden Personal waren es sogar 58 Prozent.

Da stellt sich natürlich die Frage, wie wir von Schüler:innen bessere Leistungen erwarten können, wenn gleichzeitig an vielen Schulen wichtige Ressourcen fehlen. Bildung funktioniert schließlich nicht allein durch neue Lehrpläne und schöne Sonntagsreden.

Wir brauchen ausreichend Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter:innen und weiteres pädagogisches Personal. Wir brauchen vernünftige Gebäude und eine funktionierende Ausstattung. Und wir brauchen Zeit. Zeit, um Schüler:innen individuell zu fördern.

Digitale Medien: Verbannen oder sinnvoll einsetzen?

Ich bin deshalb auch nicht dafür, Smartphones und digitale Medien pauschal zum Feindbild zu erklären. Im Gegenteil: Digitale Medien gehören zu unserer Gesellschaft und damit selbstverständlich auch in die Schule. Wie wir sie einsetzen, macht jedoch einen entscheidenden Unterschied.

Die PISA-Daten zeigen beispielsweise, dass Schüler:innen in Deutschland im Durchschnitt 1,7 Stunden pro Schultag digitale Geräte für Lernaktivitäten nutzen. Gleichzeitig verbringen sie durchschnittlich 0,8 Stunden mit digitalen Geräten zu Freizeitzwecken in der Schule.

Es geht also nicht darum, Technik grundsätzlich abzuschaffen. Es geht vielmehr darum, Medienkompetenz zu vermitteln. Schüler:innen müssen lernen, digitale Informationen kritisch zu bewerten, seriöse Quellen von Desinformationen zu unterscheiden, KI sinnvoll einzusetzen und auch einmal das Smartphone wegzulegen. Und auch Erwachsene müssen das lernen.

Wir brauchen andere Lernkonzepte

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fragen, die wir uns stellen müssen: Passt unser Bildungssystem noch zu unserer heutigen Lebenswelt? Wir können nicht versuchen, Kindern und Jugendlichen nach einem jahrzehntealten Prinzip Wissen beizubringen und uns anschließend wundern, wenn es nicht funktioniert. Natürlich brauchen wir weiterhin Lesen, Schreiben, Rechnen, Naturwissenschaften und Allgemeinwissen. Das sind grundlegende Kompetenzen. Aber die Schule muss auch vermitteln, wie man lernt.

Wie recherchiere ich Informationen? Wie erkenne ich Fake News? Wie gehe ich mit sozialen Medien um? Wie nutze ich künstliche Intelligenz sinnvoll, ohne einfach nur fertige Antworten abzuschreiben? Wie kann ich mich konzentrieren? Wie arbeite ich gemeinsam mit anderen? Das sind Kompetenzen, die junge Menschen heute ebenso benötigen wie klassische Schulkenntnisse.

Jetzt muss endlich etwas passieren

Die aktuelle PISA-Studie ist jedenfalls ein weiteres Warnsignal. Deutschland ist nicht über Nacht zu einem Land voller „dummer” Schüler:innen geworden. Die Ursachen sind wesentlich komplizierter. Die OECD selbst verweist unter anderem auf den wachsenden Leistungsabstand je nach sozialer Herkunft, Probleme bei der personellen Ausstattung und die zunehmende digitale Ablenkung.

Eines sollte inzwischen jedoch klar sein: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Wir brauchen bessere Bildungschancen für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Wir brauchen mehr Personal an unseren Schulen. Grundkompetenzen wie Lesen und Rechnen müssen wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Gleichzeitig müssen wir lernen, mit Smartphones, sozialen Medien und künstlicher Intelligenz vernünftig umzugehen. Das Smartphone allein wird unser Bildungssystem nicht retten. Aber genauso wenig wird es helfen, einfach nur über die „Jugend von heute” zu schimpfen. Wir brauchen endlich eine Bildungspolitik, die im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Lorenzo

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12 Kommentare

  1. Seit es die erste Pisa Studie (2000) gab, hat sich m.E.n. wenig und nicht dauerhaft etwas zum Positiven geändert. 2000 war mies, danach rund anderthalb Jahrzehnte erhebliche Verbesserung und seit etwa 2015 wieder deutlicher Abwärtstrend. Was war 2015?

    Jedenfalls fehlt, glaube ich, der Fokus auf Bildung. Dabei wird immer von Politikern gesagt, dass der wichtigste Rohstoff (mangels anderer) Bildung sei. Was ist davon zu halten, wenn man sich die aktuellen Berichte dazu anschaut? Es ist traurig, wie verwahrlost in Deutschland viele Bereiche sind. Und es bessert sich nichts. Allein schon deshalb, weil in den letzten Jahren auch noch die krasse Finanzmisere dazukommt.

    1. Danke dir, Horst! 😊

      Ja, genau das ist eigentlich das Erschreckende. Nach dem ersten PISA-Schock im Jahr 2000 gab es durchaus Verbesserungen. Aber offenbar ist es uns nicht gelungen, diese Entwicklung dauerhaft abzusichern. Seit etwa 2015 geht es wieder deutlich bergab.

      Deine Frage „Was war 2015?” finde ich deshalb sehr spannend. Ich glaube allerdings nicht, dass man den erneuten Abwärtstrend an einem einzigen Ereignis festmachen kann. Dafür sind viele Dinge verantwortlich: fehlende Lehrkräfte, soziale Ungleichheit, mangelnde Chancengleichheit und veränderte Lebens- und Mediengewohnheiten.

      Beim Thema Bildung stimme ich dir aber absolut zu. Wenn Bildung tatsächlich unser wichtigster „Rohstoff” sein soll, müsste sie viel stärker zur politischen Priorität gemacht werden. Doch seit Jahren reden wir über Bildungsreformen, ohne dass sich grundlegend und vor allem nachhaltig genug etwas verändert.

      Und natürlich verschärft eine angespannte Haushaltslage die Situation zusätzlich. Gerade im Bereich Bildung zu sparen, halte ich allerdings für ziemlich kurzsichtig. Was wir heute nicht in gute Bildung investieren, kann uns morgen gesellschaftlich und wirtschaftlich wesentlich teurer zu stehen kommen.

      Vielleicht sollten wir weniger darüber diskutieren, wer an der Misere schuld ist, und viel mehr darüber, wie wir unser Bildungssystem endlich dauerhaft zukunftsfähig machen. 😊

      Lorenzo

      1. Nicht an einem Ereignis. Das glaube ich auch. Wenn man sich allerdings die Zusammensetzung vieler Klassen (Nationalitäten) anschaut, muss man zu Schlussfolgerungen kommen, die leider insbesondere bei Linken und Grünen vorsichtig ausgedrückt, nur ungern zur Kenntnis genommen werden. Ich glaube, es ist unvermeidlich, dass Bildungsnachteile entstehen, wenn man sich gegenseitig nicht versteht. Und das durchaus im doppelten Wortsinn. Allerdings wären die Rezepte der AfD (z.B. eigene Klassen für muslimische Kinder) ganz und gar nicht das, was ich mir zur Reparatur solcher Erscheinungen vorstellen würde. Es ist zu wenig Geld im Sektor. Wenn Lehrer und Eltern in manchen Schulen selbst dafür sorgen müssen, dass die Toiletten für ihre Kinder überhaupt noch begehbar sind, ist das eine Schande. Gut, ich erinnere mich daran, dass es auch in meiner Schule auf den Toiletten stank. Aber das war in den 60ern.

        1. Ja, Horst, bei den Toiletten musste ich tatsächlich schmunzeln, wobei mir angesichts der heutigen Zustände schnell das Lachen vergeht. 😅 Dass es in den 60er-Jahren auf den Schultoiletten schon gestunken hat, zeigt immerhin, dass nicht jedes Problem neu ist. Wenn heute jedoch Lehrer:innen und Eltern selbst dafür sorgen müssen, dass die Toiletten überhaupt noch benutzbar sind, ist das ein Armutszeugnis.

          Bei deinem Punkt mit der Sprache bin ich durchaus bei dir. Wenn Schüler:innen dem Unterricht sprachlich nicht ausreichend folgen können, entstehen zwangsläufig Bildungsnachteile. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder mit Migrationsgeschichte. Ganz allgemein ist es ein Problem, wenn Kinder mit sehr unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen in einer Klasse sitzen und die Schulen nicht genügend Möglichkeiten haben, darauf einzugehen.

          Ich würde allerdings aufpassen, daraus ein Problem bestimmter „Nationalitäten” oder gar muslimischer Kinder zu machen. Aus meiner Sicht sind viel eher Sprachkenntnisse, soziale Herkunft und die Frage, welche Unterstützung ein Kind bekommt, entscheidend. Wenn ein Kind die Unterrichtssprache nicht ausreichend beherrscht, braucht es frühzeitige und gute Sprachförderung, bevor sich die ersten Lerndefizite verfestigen.

          Eigene Klassen für muslimische Kinder, wie von der AfD teilweise gefordert, halte ich deshalb ebenfalls für den völlig falschen Weg. Das würde die Trennung und damit letztlich auch die gesellschaftliche Ausgrenzung eher verstärken.

          Mir wäre es viel wichtiger, wenn es ausreichend Personal, kleinere Klassen, gute Sprachförderung, Schulsozialarbeit und eine vernünftige Ausstattung gäbe. Schulen müssen natürlich auch finanziell so ausgestattet sein, dass sie nicht bei den grundlegendsten Dingen an ihre Grenzen kommen.

          Denn damit sind wir wieder bei deinem eigentlichen Punkt: Wenn Bildung unser wichtigster „Rohstoff“ sein soll, dann muss sich das auch im politischen Handeln widerspiegeln. Es reicht nicht, Bildung immer wieder als besonders wichtig zu bezeichnen und anschließend festzustellen, dass Geld, Personal und eine funktionierende Infrastruktur fehlen.

          Gerade bei Kindern sollte man eigentlich wissen: Was wir heute in Bildung investieren, entscheidet mit darüber, wie unsere Gesellschaft morgen aussieht.

          Lorenzo

  2. Das gilt übrigens nicht nur für Kinder mit Migrationsgeschichte.

    Absolut! Das ist für alle Kinder und Jugendlichen schlecht. Deshalb müsste das vorrangig bearbeitet werden. Aber natürlich nicht so, wie sich AfD-Leute das vorstellen.

    Mit muslimischen Kindern hat das rein gar nichts zu tun, sondern mit der Tatsache, dass es so viele verschiedene Sprachen gibt, mit denen wohl jede Lehrerin und jeder Lehrer überfordert wäre. Die AfD will das aus Gründen lt. ihrem Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt in einer Weise ändern, die mir die Sprache verschlägt. Auf gar keinen Fall darf das passieren!

    Derweil wundern wir uns im Land, dass immer weniger Kinder geboren werden. Woraus sollten Eltern die Hoffnung schöpfen, dass es ihren Kindern in Zukunft gut gehen wird? Zuerst waren es nur ein paar Bedingungen, die ins Kontor schlugen. So z.B. die hohen Baukosten. Im Moment hat man eher das Gefühl, dass die Abwärtsspirale sich schneller dreht.

    1. Ja, genau, Horst. Ich glaube, der entscheidende Punkt ist: Das Problem ist nicht, dass Kinder aus unterschiedlichen Ländern oder mit unterschiedlichen Religionen in einer Klasse sitzen. Das Problem entsteht dort, wo unser Bildungssystem mit dieser Vielfalt nicht angemessen umgehen kann.

      Wenn in einer Klasse viele verschiedene Sprachen gesprochen werden und gleichzeitig nicht genügend Personal für Sprachförderung und individuelle Unterstützung vorhanden ist, kann eine einzelne Lehrkraft das irgendwann schlicht nicht mehr auffangen. Das ist jedoch kein Argument für Ausgrenzung oder getrennte Klassen, sondern ein Argument dafür, Schulen entsprechend auszustatten.

      Bei der AfD bekomme ich bei manchen ihrer „Lösungen” tatsächlich auch Bauchschmerzen. Integration und Teilhabe funktionieren nicht, indem man Kinder voneinander trennt. Wir sollten vielmehr dafür sorgen, dass jedes Kind – unabhängig von seiner Herkunft, Religion oder finanziellen Situation – gute Bildungschancen erhält.

      Deinen letzten Punkt finde ich ebenfalls wichtig. Natürlich entscheidet sich die Frage, ob Menschen Kinder bekommen, nicht allein an der Situation der Schulen oder an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Aber Zukunftsvertrauen spielt sicherlich eine Rolle. Wenn Menschen das Gefühl haben, dass Wohnen unbezahlbar wird, die Infrastruktur verfällt, das Bildungssystem nicht funktioniert und gleichzeitig überall gespart werden muss, kann das nicht gerade Zuversicht erzeugen.

      Und genau deshalb macht mir diese Abwärtsspirale Sorgen. Wir reden ständig davon, dass wir Kindern eine gute Zukunft ermöglichen wollen. Dann müssen wir aber auch die Voraussetzungen dafür schaffen.

      Vielleicht brauchen wir tatsächlich einen politischen Perspektivwechsel: Wir sollten nicht ständig fragen, wo wir noch sparen können, sondern was wir heute investieren müssen, damit es morgen besser wird – gerade bei Bildung, Betreuung, Infrastruktur und sozialer Teilhabe.

      Lorenzo

  3. Es gibt wohl auch (viel zu viele) Quereinsteiger als Lehrer in den Grundschulen, das sollte wohl auch dazu beitragen. In meiner Schulzeit, sind schon viele Stunden ausgefallen und ja auch damals waren die Toiletten überwiegend schlimm. Ich finde es auch schwierig, wenn jedes Bundesland seinen eigenen Lehrplan hat, der sollte doch in jedem Bundesland einheitlich sein.

    Davon abgesehen, man kann in Blogs kommentieren, diskutieren oder exzessiv Social Media nutzen, alleine wird man nichts bewirken können, außer seine Meinung kundtun. Ich hätte längst viele Demos erwartet, in Frankreich wäre schon die Hölle auf der Straße los, nur D wartet ab, wartet, wartet…

    1. Danke dir, Su Mu! 😊

      Bei den Quereinsteiger:innen wäre ich mit einer pauschalen Bewertung ein bisschen vorsichtig. Es kann problematisch sein, wenn Menschen ohne ausreichende pädagogische Ausbildung vor einer Klasse stehen. Andererseits gibt es auch sehr gute Quereinsteiger:innen, die viel Fachwissen und neue Perspektiven mitbringen. Das eigentliche Problem ist für mich deshalb, dass wir überhaupt so dringend auf Quereinsteiger:innen angewiesen sind, weil ausgebildete Lehrer:innen fehlen.

      Dass jedes Bundesland sein eigenes Bildungssystem und teilweise unterschiedliche Lehrpläne hat, finde ich ebenfalls schwierig. Föderalismus hat sicherlich seine Vorteile, aber bei grundlegenden Bildungsstandards sollte es meiner Meinung nach deutlich mehr Einheitlichkeit geben. Es kann doch nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Kind zur Schule geht, welche Voraussetzungen es für seinen weiteren Bildungsweg bekommt!

      Mit deinem letzten Absatz hast du natürlich einen wichtigen Punkt angesprochen. Durch Bloggen, Kommentieren und Diskutieren auf Social Media allein verändert sich noch keine Bildungspolitik. Aber ganz wirkungslos ist es trotzdem nicht. Öffentliche Diskussion, Meinungsaustausch und Vernetzung sind schließlich auch Bestandteile einer Demokratie. Und manchmal beginnt Veränderung eben damit, dass Menschen anfangen, über ein Problem zu sprechen.

      Was die Demos betrifft, bin ich tatsächlich immer wieder erstaunt, wie geduldig wir Deutschen sind. 😅 Natürlich gibt es auch hier Demonstrationen und Proteste. Nur scheint die Bereitschaft, dauerhaft und massenhaft auf die Straße zu gehen, tatsächlich geringer zu sein als beispielsweise in Frankreich.

      Beim Thema Bildung müsste aber vielleicht tatsächlich noch viel mehr öffentlicher Druck entstehen. Denn wenn wir immer nur feststellen, dass unser Bildungssystem Probleme hat, und anschließend wieder zum Tagesgeschäft übergehen, wird sich vermutlich nicht viel ändern.

      Und genau deshalb schreibe ich solche Beiträge. Nicht, weil ich glaube, damit allein die Welt verändern zu können, sondern weil ich zumindest meinen kleinen Teil dazu beitragen möchte, dass bestimmte Themen nicht einfach wieder verschwinden.

      Lorenzo

  4. Ich bin bei deinem Beitrag völlig bei dir. Bei mir hieß die Ablenkung damals Game Boy, bzw. kam, als ich 15 war schon das Internet raus, deswegen war es dann der Internetchat, bei dem ich auch STUNDEN verbracht habe. Aber trotzdem wurde mir immer beigebracht, dass wenn ich was erreichen möchte, auch etwas dafür tun muss.
    Ich bin froh, dass es bei meinen Kindern in ihren Schulen aktuell ganz gut läuft. Aber ich kenne es auch aus anderen Schulen im Stadtgebiet, gerade da wo eben viele Nationalitäten aufeinander treffen, dass es da an Unterricht tatsächlich mangeln soll und teilweise auch drunter und drüber geht. Ich denke die Situation ist dann nicht ganz einfach und für (alleingelassenen) Lehrer auch teilweise wirklich schwer zu lösen.
    Es ist ein schwieriges Thema, aber es muss definitiv irgendwas getan werden. 2000 bin ich damals gerade noch so um diese PISA-Studie herum gekommen, da wir dann schon eine Klasse weiter waren. Wer weiß, wie da das Ergebnis geworden wäre 😉

    1. Danke dir! 😊

      Da sieht man mal wieder, wie sich die Ablenkungen im Laufe der Zeit verändert haben: Game Boy und Internetchat. 😉 Bei „STUNDEN im Internetchat“ musste ich allerdings schon ein bisschen schmunzeln. Da hatte man das Smartphone wenigstens noch nicht ständig in der Hosentasche dabei. 😂

      Aber du hast natürlich recht: Ablenkung gab es schon immer. Entscheidend ist letztlich, ob man gelernt hat, dass man für etwas, das man erreichen möchte, auch etwas tun muss. Diese Erkenntnis scheint mir heute teilweise etwas verloren zu gehen, wobei ich mich da ausdrücklich nicht über eine ganze Generation stellen möchte.

      Schön, dass es bei deinen Kindern aktuell gut läuft. Das zeigt, dass die Situation nicht überall katastrophal ist. Gleichzeitig darf man die Schulen, in denen es nicht so gut läuft, nicht aus den Augen verlieren. Gerade wenn viele unterschiedliche sprachliche und soziale Voraussetzungen zusammenkommen und die Lehrkräfte dabei weitgehend allein gelassen werden, ist das eine enorme Herausforderung.

      Und genau da liegt für mich der Knackpunkt: Wir können von Schulen und Lehrkräften nicht erwarten, dass sie immer mehr leisten, wenn wir ihnen gleichzeitig zu wenig Personal, Zeit und Unterstützung geben.

      Was deine PISA-2000-Klasse betrifft, wäre das Ergebnis vielleicht sogar besser gewesen – oder du hättest schon damals bewiesen, dass du trotz Game Boy und Internetchat gut abschneiden kannst. 😄

      Aber im Ernst: Es ist wirklich ein schwieriges Thema. Nur darf „schwierig” eben nicht als Ausrede dienen, warum sich nichts verändert. Irgendetwas muss definitiv passieren.

      Grüße, Lorenzo

  5. Lieber Lorenzo,
    als ehemalige Lehrerin muss ich sagen, du sprichst mir aus der Seele. Es hatte Gründe dass ich 2014 gekündigt habe und ausgestiegen bin. Das Bildungssystem wird kaputt gespart und traditionell vernachlässigt.

    Es ist echt ein komplizierter Haufen von Problemen, aber die gute Nachricht ist, dass wir im Grunde an jedem Ende anfangen könnten etwas zu verbessern und es würde weiterhelfen. Wir müssen das nur als Gesellschaft wirklich wollen.

    Liebe Grüße
    Angela

    1. Liebe Angela,

      vielen Dank für deinen persönlichen Kommentar. Gerade weil du selbst Lehrerin warst, finde ich deine Einschätzung besonders eindrücklich. Wenn Menschen, die mit Leidenschaft unterrichten möchten, irgendwann sagen: „So kann und will ich nicht mehr“, dann sollte uns das als Gesellschaft wirklich zu denken geben.

      Dass du bereits 2014 ausgestiegen bist, zeigt, dass die Probleme keineswegs neu sind. Wir diskutieren seit Jahrzehnten über Bildungsreformen, aber offenbar fehlt es immer wieder an der Konsequenz, Dinge tatsächlich nachhaltig zu verändern.

      Deinen Gedanken, dass man im Grunde an jedem Ende anfangen könnte, finde ich sehr treffend. Es gibt viele Stellschrauben: mehr Personal, bessere Ausstattung, kleinere Klassen, Sprachförderung, mehr Unterstützung für Lehrkräfte, gerechtere Bildungschancen. Und wahrscheinlich würde schon eine Verbesserung an mehreren dieser Stellen spürbar etwas bewirken.

      Am Ende braucht es dafür aber den gesellschaftlichen und politischen Willen. Bildung darf nicht nur in Sonntagsreden als „wichtigster Rohstoff” bezeichnet werden. Sie muss auch entsprechend behandelt werden – finanziell, personell und vor allem dauerhaft.

      Und vielleicht ist genau das die größte Herausforderung: nicht immer nur auf die nächste Studie zu reagieren, sondern endlich langfristig an einem Bildungssystem zu arbeiten, das Kindern und Jugendlichen wirklich Zukunftschancen eröffnet.

      Liebe Grüße
      Lorenzo

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