Paralympics: Zwischen Bewunderung, Versäumnissen und Verantwortung

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Paralympics genauso intensiv zu verfolgen wie die Olympischen Spiele. Mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit, mehr Bewusstsein für die dort geleisteten Leistungen.

Und dann? Ich habe den richtigen Zeitpunkt verpasst.

Ich habe nur die Kurzberichte geschaut, die Ergebnisse überflogen und einzelne Geschichten mitgenommen. Und trotzdem bleibt bei mir dieses Gefühl: Die Paralympics sind wichtig. Sehr wichtig sogar.

Das paralympische Symbol und paralympische Athleten im Glanzlicht eines Stadions

Große Leistungen – oft im kleinen Rahmen wahrgenommen

Ich schaue mir die Paralympics eigentlich gerne an. Sie verändern den Blick auf Sport. Sie zeigen, was möglich ist – unabhängig von körperlichen Voraussetzungen.

Gleichzeitig muss man jedoch auch sagen, dass die Aufmerksamkeit eine andere ist als bei Olympia. Es gibt weniger Präsenz, weniger Berichterstattung und weniger öffentlichen Druck, aber leider auch weniger strukturelle Unterstützung.

Dabei hätten genau diese Athlet:innen mindestens die gleiche Bühne verdient.

Medaillen sind kein Zufall

Selbstverständlich wird auch bei den Paralympics auf den Medaillenspiegel geschaut. Die deutsche Bilanz wird teilweise als „mittelmäßig“ eingestuft.

Aber ganz ehrlich: Wer sich darüber beschwert, sollte einen Schritt weiterdenken.

Erfolg im Sport ist kein Zufallsprodukt. Er ist das Ergebnis von Förderung, Infrastruktur, Trainingsbedingungen und langfristiger Planung. Wer hier spart, darf sich am Ende nicht wundern, wenn die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Das gilt für Olympia – und genauso für die Paralympics.

Ein Beispiel, das mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Die deutsche Eishockey-Mannschaft im paralympischen Bereich besteht größtenteils aus Amateuren. In anderen Ländern stehen hingegen professionelle Strukturen dahinter.

Das ist kein kleiner Unterschied. Das ist ein struktureller Nachteil.

Wertschätzung zeigt sich nicht nur in Worten

Wir sprechen oft von Inklusion, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Paralympics sind zweifellos ein starkes Symbol dafür.

Aber Symbole allein reichen nicht aus.

Wenn Athlet:innen ihre Teilnahme selbst finanzieren müssen, Trainingsmöglichkeiten fehlen oder Unterstützung nur punktuell stattfindet, dann stimmt etwas nicht. Dann klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Realität.

Wertschätzung zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern in Budgets, Strukturen und langfristiger Förderung.

Schwierige Entscheidungen im Hintergrund

Ein Thema, das mich nachdenklich gemacht hat, ist die Wiederzulassung von Athlet:innen aus Russland und Belarus unter eigener Flagge, obwohl der Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterhin andauert.

Ich halte diese Entscheidung für schwierig und auch für nicht angemessen.

Natürlich gilt auch hier: Die einzelnen Sportler:innen tragen nicht die Verantwortung für politische Entscheidungen. Und trotzdem stehen Sportgroßereignisse immer auch im Kontext der Weltpolitik.

Gerade deshalb braucht es klare Linien und nachvollziehbare Entscheidungen. Denn auch das gehört zur Glaubwürdigkeit des Sports.

Mehr als nur ein „Neben-Event“

Vielleicht ist mein größter Kritikpunkt gar nicht die Organisation oder einzelne Entscheidungen, sondern mein eigenes Verhalten.

Ich wollte die Paralympics intensiv verfolgen. Habe es aber nicht getan.

Und genau darin liegt ein Teil des Problems: Aufmerksamkeit entsteht nicht von allein. Sie entsteht auch durch uns, durch das, was wir schauen, teilen und wertschätzen.

Die Paralympics sind kein „Neben-Event“. Sie sind ein zentraler Bestandteil des Sports.

Vielleicht nehme ich mir fürs nächste Mal genau das mit: nicht nur darüber zu sprechen, wie wichtig sie sind, sondern ihnen auch die Zeit zu geben, die sie verdienen.

Grüße, Lorenzo

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