Wenn Blogs einfach verschwinden: Warum ich das schade finde

Blogs kommen und gehen. Während einige über viele Jahre hinweg regelmäßig mit neuen Beiträgen gefüllt werden, werden andere irgendwann seltener und schließlich gar nicht mehr aktualisiert. Manchmal verschwinden Blogs sogar komplett aus dem Internet.

Mein Bloggerkollege Henning hat sich kürzlich genau mit diesem Thema beschäftigt. Ich kann seine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Denn wenn ein Blog verschwindet, finde ich das nämlich auch schade.

Hinter jedem Blog steckt ein Mensch

Für mich sind Blogs mehr als nur Webseiten, auf denen regelmäßig neue Texte erscheinen. Hinter jedem Blog steckt schließlich ein Mensch. Jemand, der seine Gedanken, Erlebnisse, Erfahrungen, Interessen oder auch einfach seine persönlichen Beobachtungen festhält. Genau das macht die Blogosphäre für mich so interessant.

Man findet dort nicht nur professionell aufbereitete Inhalte, sondern auch ganz unterschiedliche Menschen und Perspektiven. Die einen schreiben über Technik, die anderen über Reisen, Politik, Familie, Fotografie, Bücher, Musik oder ihren ganz normalen Alltag. Und manchmal entdeckt man dabei Themen, mit denen man sich selbst wahrscheinlich nie beschäftigt hätte.

Bloggergemeinde
Bloggergemeinde

Ein Blog ist auch ein persönliches Archiv

Wer viele Jahre bloggt, baut nebenbei ein großes persönliches Archiv auf. Wenn ich heute ältere Beiträge hier auf Lorenzos Welt lese, sehe ich darin mehr als nur alte Texte. Ich finde darin auch Erinnerungen an bestimmte Zeiten, Erlebnisse und Themen, die mich damals beschäftigt haben.

Das ist für mich einer der besonderen Aspekte des Bloggens. Ein Blog dokumentiert gewissermaßen ein Stück des eigenen Lebens. Nicht unbedingt vollständig und natürlich auch nicht immer chronologisch perfekt, aber auf seine ganz eigene Weise. Und genau deshalb finde ich es schade, wenn solche Archive einfach verschwinden.

Natürlich darf ein Blog auch aufhören

Dabei möchte ich niemandem einen Vorwurf machen, wenn er oder sie irgendwann nicht mehr bloggen möchte. Das Leben verändert sich. Interessen verändern sich. Manchmal fehlt die Zeit, manchmal auch einfach die Lust, regelmäßig neue Beiträge zu schreiben. Vielleicht hat man irgendwann andere Prioritäten oder entdeckt ein anderes Hobby. All das ist völlig normal.

Wenn jemand seinen Blog aus diesen Gründen beendet, kann ich das gut verstehen. Ich finde es sogar schön, wenn am Ende ein kurzer Abschiedsbeitrag geschrieben wird und der Blog anschließend als Archiv stehen gelassen wird. So bleibt die Geschichte des Blogs erhalten, auch wenn er nicht mehr aktiv ist.

Noch trauriger: Wenn ein Blog einfach weg ist

Etwas anderes ist es für mich, wenn ein Blog plötzlich komplett verschwindet. Eventuell wurde die Domain nicht mehr verlängert. Vielleicht gibt es Probleme beim Hosting. Oder ein technisches System läuft nicht mehr richtig und niemand kümmert sich darum. Irgendwann ist der Blog beziehungsweise die Website dann einfach nicht mehr erreichbar.

Besonders schade finde ich das bei Blogs, die schon viele Jahre existiert haben. Denn dann gehen nicht nur die aktuellen Inhalte verloren. Unter Umständen verschwinden hunderte oder sogar tausende Beiträge, Kommentare, Fotos und Erinnerungen.

Ein ganzes Stück Bloggeschichte ist plötzlich weg. Manchmal lässt sich über das Internetarchiv noch etwas davon finden. Aber darauf sollte man sich natürlich nicht verlassen. Und selbst dort ist nicht garantiert, dass wirklich alles archiviert wurde.

Die Blogosphäre lebt von Vernetzung

Deshalb halte ich die Vernetzung zwischen Blogs für sehr wichtig. Durch Blogrolls, Webringe, Empfehlungen, Kommentare oder einfach Links in einem Beitrag kann man Blogs entdecken, die man sonst vielleicht nie gefunden hätte. Und daraus können interessante Verbindungen entstehen. Ich bin beispielsweise immer wieder überrascht, wie viele unterschiedliche Blogs ich durch andere Blogger:innen entdecke.

Man liest einen Beitrag, klickt auf einen Link und landet plötzlich bei einem Blog, den man vorher überhaupt nicht kannte. Vielleicht bleibt man nur für einen einzelnen Artikel dort. Vielleicht schaut man sich noch weitere Beiträge an. Oder man kommt regelmäßig wieder.

So wächst die Blogosphäre. Nicht durch einen großen Algorithmus, der entscheidet, was wir sehen sollen, sondern durch Menschen, die sich gegenseitig auf interessante Inhalte aufmerksam machen.

RSS gehört für mich ebenfalls dazu

Auch RSS-Feeds spielen dabei eine Rolle. Ich selbst nutze zwar keinen RSS-Reader, sondern lese lieber direkt auf den jeweiligen Blogs. Trotzdem weiß ich, dass viele Blogger:innen und Leser:innen RSS regelmäßig verwenden. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass Blogs weiterhin über RSS erreichbar sind und neue Beiträge auf diesem Weg angekündigt werden können.

Mein eigener RSS-Feed enthält bewusst nur einen Textauszug. Er soll neugierig auf den vollständigen Beitrag machen und die Leser:innen hier auf Lorenzos Welt führen. Denn dort findet man nicht nur den eigentlichen Artikel, sondern auch Kommentare, weitere Beiträge und die Gestaltung des Blogs. Auch das gehört für mich zur Blogosphäre dazu.

Was bleibt, wenn der Blog verschwindet?

Vielleicht ist das ja die interessanteste Frage überhaupt. Ein Blog kann über Jahre hinweg ein Ort sein, an dem jemand seine Gedanken festhält. Andere Menschen lesen diese Beiträge, kommentieren sie und verlinken sie möglicherweise sogar weiter. Und irgendwann ist dieser Ort möglicherweise einfach nicht mehr da. Deshalb freue ich mich über jeden Blog, der auch nach einer längeren Pause noch erreichbar ist.

Er muss nicht ständig neue Beiträge veröffentlichen. Er darf auch einmal ein Jahr oder länger stillstehen. Ein vorhandenes Archiv ist für mich allemal besser als ein verschwundener Blog. Denn vielleicht findet irgendwann jemand genau diesen alten Beitrag und denkt: „Das ist interessant.” Vielleicht entsteht daraus sogar wieder ein neuer Kontakt.

Blogs sind ein Stück Internetgeschichte

Das Internet verändert sich ständig. Websites kommen und gehen, Plattformen verschwinden oder ändern ihre Regeln, während soziale Netzwerke durch ihre Algorithmen entscheiden, welche Inhalte wir sehen. Blogs funktionieren ein bisschen anders. Sie gehören ihren Betreiber:innen und können über viele Jahre bestehen. Sie können sich verändern, Pausen machen und irgendwann vielleicht sogar wiederbelebt werden.

Und genau deshalb möchte ich meinen Blog auch weiterhin als einen kleinen Teil dieser bunten Blogosphäre verstehen. Ich habe jedenfalls nicht vor, irgendwann einfach mit dem Bloggen aufzuhören. Solange ich Freude daran habe und etwas zu erzählen habe, soll Lorenzos Welt weiterbestehen und wachsen.

Selbst wenn irgendwann einmal längere Pausen dazwischenliegen sollten, möchte ich meinen Blog nicht einfach verschwinden lassen. Und vielleicht ist das am Ende das Schönste am Bloggen: Es ist schade um jede Geschichte, die nicht erzählt wird.

Wie siehst du das?

Was passiert mit Blogs, die nicht mehr weitergeführt werden? Lässt du deine alten Beiträge online und betrachtest deinen Blog irgendwann als Archiv? Oder hast du deinen Blog schon einmal komplett gelöscht?

Gibt es Blogs, deren Verschwinden dir besonders leidgetan hat? Ich freue mich auf deine Erfahrungen und Meinungen in den Kommentaren. 😊

Grüße, Lorenzo

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Ein Kommentar

  1. Kann mich dem nur anschließen. Der Stapel der Blogs, die ich über Jahre verfolgte und von denen plötzlich nur noch Stille kommt oder ganz verschwunden sind, wird in letzter Zeit gefühlt immer größer. Da ich mich aufgrund meiner gesundheitlichen Situation derzeit vermehrt mit dem Thema digitaler Nachlass befasse, also was wo läuft, was ich wo hoste.. damit meine bessere Hälfte im Fall der Fälle direkt weiß, wie sie an Sachen kommt, da ich ihre Sachen ja auch hoste und sie zur Not einfach auf bezahlte Dienste etc kippen kann. Will seit längerer Zeit mal nen Blogartikel zum Thema verfassen, allein um das alles mal für mich selbst aufzubrechen und damit sie es nochmal zum nachlesen hat und vielleicht jemand anderes noch was daraus mitnimmt. Hab mich davor aber ehrlich gesagt bisschen gedrückt, weil es mir ja auch schlechte Laune macht, mich mit solchen Themen zu befassen, aber vielleicht war dein Post hier jetzt mal nen erneuter Anstubser für mich.

    Worüber ich beim Lesen allerdings schmunzeln musste, war die Zeile „Mein eigener RSS-Feed enthält bewusst nur einen Textauszug. Er soll neugierig…“, weil ich direkt schon wieder die Leute mit der Fackel und Mistgabel durchs Bloggerdorf laufen und „der will nur Klicks farmen“ krakelen höre. Bleib wie du bist, mach was du magst. Peace und schönes Wochenende.

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