Nacheinander melden Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW Gewinneinbrüche, Verluste oder sogar Stellenabbau. In vielen Medien wird wieder überrascht reagiert. Aber warum eigentlich? Dass die deutsche Automobilindustrie in Schwierigkeiten geraten würde, war doch seit Jahren absehbar.
Mich überrascht deshalb weniger die Entwicklung der Geschäftszahlen als die Überraschung darüber.
Der Wandel wurde zu lange hinausgezögert
Meiner Meinung nach liegt ein wesentlicher Grund darin, dass sich die deutschen Autobauer viel zu lange auf ihrem guten Ruf ausgeruht haben. Während Hersteller aus China konsequent in Elektromobilität, Batterietechnik und Software investierten, wurde hierzulande häufig noch darüber diskutiert, wie sich der Verbrennungsmotor möglichst lange erhalten lässt.
Natürlich sind die aktuellen Probleme nicht ausschließlich darauf zurückzuführen. Auch die schwächelnde Weltwirtschaft, der harte Wettbewerb in China, hohe Entwicklungskosten und politische Unsicherheiten spielen eine wichtige Rolle. Trotzdem bleibt für mich der Eindruck, dass die deutsche Autoindustrie den technologischen Wandel unterschätzt und zu lange gezögert hat.
China hat den Vorsprung genutzt
Die Folgen sind heute deutlich sichtbar. Chinesische Hersteller haben nicht nur in vielen Bereichen aufgeholt, sondern die deutschen Autobauer teilweise sogar überholt. Insbesondere bei Elektroautos, Batterietechnik und digitalen Funktionen setzen sie inzwischen Maßstäbe.
Erst jetzt investieren die deutschen Hersteller Milliarden in neue Technologien. Das ist richtig und notwendig. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob dieser Strategiewechsel nicht schon deutlich früher hätte erfolgen müssen.
Ein Blick auf die politischen Debatten
Dabei muss ich immer wieder an Robert Habeck denken. Er wurde von politischen Gegner:innen häufig abfällig als „Kinderbuchautor“ bezeichnet oder seine wirtschaftliche Kompetenz wurde infrage gestellt.
Unabhängig davon, wie man politisch zu ihm steht, hat er bereits vor einigen Jahren auf die Herausforderungen der Transformation für die deutsche Industrie und insbesondere die Automobilbranche hingewiesen. Aus meiner Sicht zeigt sich heute, dass viele seiner Warnungen berechtigt waren.
Innovation statt Festhalten am Alten
Die deutschen Autobauer verfügen nach wie vor über enormes Know-how, starke Marken und hervorragende Ingenieur:innen. Deshalb wäre es falsch, die Branche bereits abzuschreiben.
Gleichzeitig wird es jedoch nicht ausreichen, auf frühere Erfolge zu verweisen. Wer im internationalen Wettbewerb bestehen will, muss Innovationen konsequent vorantreiben, neue Technologien schneller zur Marktreife bringen und sich den Veränderungen auf dem Weltmarkt stellen.
Mich überrascht etwas anderes
Für mich ist die eigentliche Nachricht deshalb nicht der Gewinneinbruch, die Verluste oder der Stellenabbau. Die eigentliche Nachricht ist, dass viele immer noch so tun, als kämen sie völlig überraschend.
Wer Warnungen über Jahre ignoriert, notwendige Veränderungen immer weiter aufschiebt und zu lange am bisherigen Geschäftsmodell festhält, darf sich über die Folgen nicht wundern. Der Wandel der Automobilindustrie war seit Jahren absehbar. Jetzt zeigt sich, wie teuer es werden kann, wenn man ihn zu lange unterschätzt.
Grüße, Lorenzo
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