Hass auf Instagram – warum mich das nicht zum Schweigen bringt

Seit meinem Blog- bzw. Instagram-Beitrag zum Christopher Street Day (CSD) in Hamburg bin auch ich davon betroffen: Zum ersten Mal erhalte ich Hasskommentare.

Irgendwie hatte ich schon damit gerechnet, dass es mich irgendwann einmal erwischen würde. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn es tatsächlich passiert. Dass ausgerechnet Beiträge über Vielfalt, Toleranz und Menschenrechte solche Reaktionen hervorrufen, überrascht mich leider nicht. Ich habe schon seit Längerem den Eindruck, dass Hass und Ausgrenzung wieder zunehmen – nicht nur in den sozialen Medien, sondern in unserer Gesellschaft insgesamt.

Zum Glück überwiegen nach wie vor die vielen lieben Nachrichten und Kommentare. Dafür bin ich wirklich dankbar. Dennoch bleiben die Hasskommentare im Kopf hängen. Dieses Gefühl kennen wahrscheinlich viele Menschen, die sich öffentlich für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte einsetzen.

Mein Bloggerkollege Henning Uhle hat auf seinem Blog einen sehr lesenswerten Beitrag über den zunehmenden Hass im Internet veröffentlicht, in dem er auch auf meine Erfahrungen mit Hasskommentaren auf Instagram eingeht. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weshalb ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei ihm bedanken möchte.

Sein Beitrag zeigt, dass ich mit solchen Erfahrungen leider nicht allein bin. Gleichzeitig macht er Mut, sich davon nicht einschüchtern zu lassen und weiterhin für die eigenen Werte einzustehen. Genau das habe ich auch vor.

Hass ist keine Meinung

Selbstverständlich darf jede:r eine andere Meinung haben. Davon lebt unsere Demokratie. Hass, Beleidigungen oder das gezielte Herabwürdigen anderer Menschen haben für mich jedoch nichts mit einer sachlichen Diskussion zu tun. Ich freue mich über Menschen, die anderer Meinung sind und diese respektvoll begründen.

Das gehört zu einem offenen Austausch dazu. Was ich allerdings nicht akzeptiere, sind persönliche Angriffe oder Kommentare, die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Herkunft oder anderer Merkmale abwerten. Gerade rund um den CSD scheint die Hemmschwelle bei manchen leider immer weiter zu sinken.

Der CSD polarisiert – leider

In den vergangenen Tagen habe ich mehrere Beiträge zum CSD veröffentlicht. Dabei ging es mir nie darum, jemandem etwas vorzuschreiben. Meine Botschaft ist ganz einfach: Jeder Mensch soll so leben und lieben dürfen, wie er möchte – solange dadurch niemandem geschadet wird.

Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Leider ist es das offenbar wirklich noch immer nicht, sondern es wird sogar wieder mehr unter Druck gesetzt. Gerade nach dem schrecklichen Anschlag beim CSD in Berlin war für mich klar, dass wir uns nicht einschüchtern lassen dürfen.

Der CSD ist und bleibt eine wichtige Demonstration für Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Menschenrechte. Dass ausgerechnet Beiträge wie diese Hass hervorrufen, macht mich traurig.

Schweigen ist keine Lösung

Natürlich könnte ich aufhören, über solche Themen zu schreiben. Natürlich könnte ich politische Themen meiden. Natürlich könnte ich Diskussionen aus dem Weg gehen.

Aber genau das wäre aus meiner Sicht die falsche Antwort. Wenn Menschen durch Hass erreichen, dass andere verstummen, dann haben sie ihr Ziel erreicht. Das möchte ich nicht zulassen.

Warum ich trotzdem weiterschreibe

Ich schreibe diesen Blog seit vielen Jahren, weil ich meine Gedanken teilen und mit anderen Menschen ins Gespräch kommen möchte. Dabei geht es um Technik, Politik, Inklusion, Musik, Sport und viele andere Themen. Vor allem aber geht es mir um Respekt.

Ich weiß, dass nicht alle meine Meinung teilen. Das müssen sie auch gar nicht. Was ich mir allerdings wünsche, ist ein respektvoller Umgang miteinander, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.

Vielfalt braucht Haltung

Die vergangenen Tage haben mir noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen. Nicht mit Hass. Nicht mit Beleidigungen. Sondern mit Respekt, Menschlichkeit und Solidarität. Genau dafür stehen für mich auch der CSD und die vielen Menschen, die jedes Jahr auf die Straße gehen. Ich werde deshalb auch weiterhin über Themen schreiben, die mir wichtig sind. Nicht, weil ich alle überzeugen möchte.

Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass eine offene Gesellschaft davon lebt, dass Menschen ihre Stimme erheben – friedlich, respektvoll und ohne Angst. Hass wird es leider immer geben. Aber er darf niemals lauter werden als die vielen Menschen, die sich jeden Tag für Vielfalt, Demokratie und Menschlichkeit einsetzen.

Lorenzo

PS: Du darfst diesen Blogbeitrag hier mit den nachfolgenden Buttons gerne teilen:

2 Kommentare

  1. Richtig so, äussere weiter Deine Meinung, so wie du es vertreten möchtest. so weit kommt es noch, das man nichts mehr sagt, nur weil so Spinner Dich angreifen. mach weiter so.

    1. Hallo Marita,

      vielen lieben Dank für deinen ermutigenden Kommentar! ❤️

      Genau das habe ich auch vor. Hasskommentare sind zwar nicht schön und treffen einen schon. Aber sie werden mich nicht davon abhalten, weiterhin meine Meinung zu sagen und mich für Vielfalt, Demokratie und Menschenrechte einzusetzen.

      Zum Glück gibt es viel mehr Menschen wie dich, die Mut machen und zeigen, dass Respekt und Zusammenhalt stärker sind als Hass.

      Liebe Grüße
      Lorenzo

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert